OLDENBURG - Pure Euphorie: Wenn Jannek Zechner auf die Bühne läuft und sein Publikum sieht, empfindet er nichts anderes als das. „Auf den Moment freue ich mich immer riesig“, sagt er begeistert. Vorbei ist dann das Lampenfieber der vorherigen Tage. Jene Zeit, in der die Nerven beim Proben schon mal blank liegen.
Jannek Zechner ist erst 18 und spielt Gitarre. So gut, dass er mit einem Musikstudium am renommierten Berkeley-College in Boston (USA) liebäugelt. Angenommen wurde er bereits. Ob er den Traum auch finanzieren kann, war hingegen lange fraglich.
Niemals gleiche Töne
Seine Leidenschaft zur Gitarre beschreibt er so: „Ich kann mich mit ihr ausdrücken, mich dabei entspannen und alles um mich herum vergessen.“ Die Möglichkeiten des Instruments seien unerschöpflich. „Das Geniale ist, dass es keinen Musiker gibt, der genau die gleichen Töne produziert“, erklärt Jannek.
Den ersten prägenden Moment mit diesem Instrument hatte er mit 12. Damals spielte sein Musiklehrer in der Schule ein Stück auf einer Akustik-Gitarre – und Jannek war hellauf begeistert. Also griff er zu der heimischen Gitarre und begann zu üben – „Tears in Heaven“ von Eric Clapton. „Für einen Anfänger eigentlich unmöglich zu spielen“, sagt Jannek über seinen unorthodoxen Einstieg. Blutig habe er sich die Finger gespielt, bis er merkte: Ohne Lehrer geht es nicht. Also nahm er bei Jochen Bens Unterricht, der bis heute sein Gitarrenlehrer ist. Und ein großes Vorbild für den 18-Jährigen. „Er ist ein Genie. Mich beeindruckt, dass er mit seiner Musik auf eigenen Beinen stehen kann“, schwärmt Jannek.
Vor vier Jahren folgte der erste größere Auftritt vor 800 Zuschauern in der Schule. 15 Auftritte dieser Größenordnung habe er bislang gehabt. Zwischenzeitig nahm er sogar Unterricht in Los Angeles – beim renommierten Gitarristen Carl Verheyen. „Das war ein Meilenstein für mich, weil ich dort die Creme de la Creme der Musiker kennen gelernt habe“, beschreibt Jannek diese Zeit.
Er hat große Ambitionen: „Ich möchte der beste Instrumentalist im Backgroundbereich werden“, schildert er. Und bleibt dennoch realistisch. Der Traum vom Rockstarleben sei vorbei, zu schnelllebig sei dafür die Zeit. Jannek zieht berühmte Vergleiche: „Es wird nie wieder einen Hype wie um die Beatles geben“, meint der junge Gitarrist. „Mir geht es einfach darum, ein Fundament zu haben, von der Musik leben zu können und möglichst viele Leute zu erreichen.“ Er lächelt verschmitzt: „Alles was darüber hinaus kommt, nehme ich natürlich gerne mit.“
Auf dem Boden bleiben
Mittlerweile hat Jannek bereits erste Fans. Einmal sei ein Mädchen extra aus Leer nach Oldenburg gefahren, um ihn spielen zu sehen. „Ein komisches Gefühl“, meint der Nachwuchskünstler etwas unschlüssig. „Ich freue mich darüber, versuche aber auf dem Boden zu bleiben.“
In zehn Jahren möchte Jannek da sein, wo sich Musiker wie Carl Verheyen längst befinden. Derzeit steckt er aber noch in den Abiturprüfungen, in einem Jahr will er bereits in Boston studieren. Ein Traum, der mittlerweile übrigens immer realistischer wird. Laboratorium-Intendant Pavel Möller-Lück war von dem Auftritt des Nachwuchstalents mit Gesangspartnerin Lisa Prante bei der diesjährigen Sportlerwahl in Oldenburg so begeistert, dass er ihn bei der Finanzierung des Studiums unterstützen will. Jannek: „Davon war ich total überrascht und kann mich dafür nur bedanken.“
