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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Keine Albträume zum Verbrennen gefunden

27.03.2019

Oldenburg Das wäre doch mal was: ein Traumfänger! Der filtert nachts alle bösen Träume heraus und verbrennt sie morgens. Nur die guten bleiben so in der Erinnerung. Eine weise Frau hat nach einem Mythos nordamerikanischer Indianer solch einen Schutzschild installiert. „Dream­catcher“ heißt das Fabrikat. Man könnte es wohl auch gut dafür einsetzen, gewisse Qualitätsstandards im Fernsehen zu sichern.

Bei der Qualitätsfrage hat die Bläserphilharmonie Varel „Senza replica“ ausnehmend gute Karten. Das Ensemble wies jetzt im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters ein erstaunliches Format nach. „Dreamcatcher“ von Otto Schwarz ist nur eins jener sorgfältig abgetönten Klanggemälde, mit denen es im ersten Teil brilliert. Im zweiten kultiviert es vorwiegend geschärfte Rhythmen, die in Richtung Jazz und Bigband-Sound tendieren.

Üppig mit Klarinetten besetzt zeigt sich die Formation, was nicht von ungefähr kommt. „Clarinettissimo“ heißt das Programm, in dem der Solist Michele Marelli die Höhepunkte setzt. Aber auch im tutti prägen überhaupt die Holzbläser einen Klang, der weich aber nicht schwammig wird, mit dem das Blech wohlig verschmilzt oder sich bestimmend heraushebt, ebenso wie das Schlagwerk.

Souveränität und Frische fügen sich wohl auch deshalb bestens ineinander, weil zu einem festen Stamm langjähriger Mitglieder immer wieder junge Leute aus der Kooperation mit dem Lothar-Meyer-Gymnasium treten.

Zudem zeigt sich Friedhelm Stahl als Dirigent, der vorn keine turnerische Kürübungen aufführt, sondern klar ordnende Zeichen mit anspornenden Gesten verbindet.

„Wonders of Nature“, ein auch für einen Film genutzte Stimmungsmusik von Bert Appermont, kommt ebenso anspruchsvoll daher wie „Three Aspects of Kurt Weill“ von Peter Kleine Schaars. Stevie Wonder und Gilbert Tinner bürgen ebenso für Blasmusik, die im überholten Sinne von „Wenn am Sonntagabend die Blasmusik spielt“ schon lange keine banale mehr ist.

Vollends aber die beiden Solokonzerte für Klarinette und Band von Franco Cesarini und Artie Shaw. Michele Marelli genießt zunehmend das Zusammenspiel. Er elektrisiert mit einem angespitzten Klang, setzt abgewogen sparsam auf wärmeres Timbre. Die klassische Laufbahn des Italieners und sein ausgeprägtes und preisgekröntes Engagement für Zeitgenössische Musik sind Grundlagen dieser bezwingenden Mischung.

Zu verbrennen hätte in Oldenburg die weise Indianerfrau nichts. Es gab nur schöne Träume.

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