OLDENBURG - „Warum lächelst du nicht, wenn du spielst, fragte mich mal meine Mutter", erzählt die 55-jährige Pianistin Anne Crose-Schilperoort. „Doch das ist mein Gefühl bei dem, was ich gerade spiele. Die Musik ist nicht immer fröhlich. Sie ist auch traurig, spannungsvoll oder ernst“, klärt die US-Amerikanerin, die seit 28 Jahren jedes Jahr nach Oldenburg kommt und mit hiesigen Musikern Konzerte gibt, das Rätsel ihrer Mutter auf.

Musikalität wurde ihr sprichwörtlich in die Wiege gelegt: Ihre Eltern waren beide Sänger, doch für eine Karriere habe ihnen der theoretische Hintergrund gefehlt. „Deswegen haben meine Geschwister und ich Klavierunterricht bekommen“, erzählt sie. „Da habe ich meine Begabung für das Klavierspiel entdeckt. Meine Stimme habe ich allerdings nicht gefunden“, schmunzelt die 55-Jährige.

Als sie mit 18 Jahren an die University of Victoria in Kanada ging, um Klavier zu studieren, lernte sie die Herausforderung kennen. „Ich war nun nicht mehr eine der Besten, der Konkurrenzkampf war groß“, erzählt Anne Crose-Schilperoort aus ihrer Studienzeit.

„Man muss dann einfach seinen Platz finden – meine Spitze war das Vom-Blatt-Spiel“. Deshalb studierte sie fortan Liedbegleitung und erlangte in diesem Fach auch ihren Meistertitel.

Mit 21 Jahren lernte sie ihren zukünftigen Mann, einen Halb-Holländer, kennen. Da die Karriere für die Pianistin zunächst im Vordergrund stand, ließen die beiden zunächst keine feste Bindung zu. „Aber er war immer da und hat mich begleitet.“ Erst 13 Jahre später heirateten die beiden. Sie haben heute drei Kinder im Alter von 16, 17 und 20 Jahren und leben auf einer Farm in der Stadt Yakima (etwa halb so groß wie Oldenburg) in der Nähe von Seattle, Washington State, im Nordwesten der USA.

Nach Deutschland verschlug es Anne Crose-Schilperoort mit 25 Jahren. „Das Lied ‚Am Rhein' von Heinrich Heine hat mich tief beeindruckt, aber ich habe es nicht verstanden“, erinnert sich die 55-Jährige. Deswegen ist sie als Au-Pair-Mädchen nach Tübingen gereist, um die deutsche Sprache und ihre Kultur zu erlernen. „Und plötzlich habe ich es verstanden: die tiefe Geschichte, die Vögel und Flüsse.“

Ein Jahr später lernte sie den Oldenburger Klaus Johanns kennen, mit dessen Frau Edith sie 1981 in Oldenburg ihr erstes Konzert gab – und es sollten noch viele weitere folgen. „Oldenburg schätze ich sehr. Viele freundschaftliche Verbindungen habe ich hier knüpfen können – außerdem liebe ich den Schlossgarten“, schwärmt sie von dieser Stadt, in der sie viel von der deutschen Kultur kennenlernte. „Ich habe vorher noch nie von Grünkohl oder Spargel gehört. Auch das Laternelaufen war mir unbekannt.“

Zwei Tage ist Anne Crose-Schilperoort noch in Oldenburg und wird am Sonntag ab 11.15 Uhr mit Annekatrin Kupke (Mezzosopran/Oldenburgisches Staatstheater) im PFL auf Einladung der Deutsch-Italienischen Gesellschaft eine Matinee geben. Auf dem Programm stehen u.a. Lieder von Reger, Mahler und vom Oldenburger Erich Böhlke (1895-1979).