OLDENBURG - Berufsmusiker Popp entdeckt die Musik wieder als Hobby. Am 5. August tritt er mit TV-Star „Schildkröte“ auf.

Von Karsten Krogmann

OLDENBURG - Schildkröte kann sprechen. „Und wie“, sagt einer, der ihn reden gehört hat: „Wenn Schildkröte anruft, dann halte ich den Hörer aus Selbstschutzgründen immer ein Stückchen vom Ohr weg.“ Kalle Popp lacht, denn er weiß noch mehr Wundersames über den schweigenden Biertrinker aus der TV-Kultsendung „Dittsche“ zu berichten: „Schildkröte heißt in Wirklichkeit Piggy Jarnach, spielt wunderbar Klavier und singt wie Ray Charles.“

Kalle Popp bewohnt ein ganz normales Einfamilienhaus im Oldenburger Stadtsüden. Wer aber mit ihm links die schmale Treppe hinaufsteigt, verlässt die Stadt: Hinter einer schaumstoffverkleideten Tür gibt es einen Raum mit schwarzen Vorhängen und bunten Lampen, in dem gerade auf einer Videoleinwand George Benson den Blues spielt. Überall stehen Gitarren und Bässe herum, in einer Ecke plustert sich ein schwarzes Schlagzeug auf, ein großes Mischpult gibt es auch. Tageslicht dringt nur spärlich durchs kleine Fenster, das hat hier nichts zu suchen. Hier geht’s nämlich um verräucherte, erdige Musik.

„Komisch“, wundert sich Kalle Popp, „das wird irgendwie immer mehr.“ Mit den Convairs spielt der 56-Jährige Tanzmusik. Mit der Beatles Memory Band Oldies. Mit Daddy Blues – na klar – Blues. Mit Slim Funk spielt er Jazz. Und weil das alles nicht genug ist, hat er auch noch mit Schildkröte telefoniert. Mit dem will Popp jetzt Rock’n’Roll spielen.

Schildkröte war nicht immer Schildkröte. Als er noch Piggy hieß, spielte er Klavier in verschiedenen Produktionen und Bands. Eine davon hieß Four Kings, Piggy war Anfang der 80er-Jahre dabei, und der Bassist der Band hieß Kalle Popp. Sie liefen sich auch später immer wieder über den Weg, der Hamburger Pianist und der Bassist, der wegen der Four Kings einst von Hamburg nach Oldenburg zog – und blieb.

Die Four Kings sind inzwischen Geschichte, Kalle Popp muss nicht mehr als Künstlerbegleiter quer durch die Republik reisen. „Ich hab’ jetzt Zeit“, sagt der Berufsmusiker. Die nutzt er, um in dem dunklen Raum hinter der schaumstoffverkleideten Tür die Musik wieder als Hobby zu entdecken: Er hat den Bass gegen die Gitarre eingetauscht, „die habe ich schließlich einmal studiert“, singt die Lieder seiner Wahl, schreibt sogar eigene Stücke.

Regelmäßig kommen Musiker vorbei, mit denen er probt und improvisiert: Tanzmusik, Beatles-Titel, Jazz, Blues. Manchmal macht er Aufnahmen mit seiner alten Bandmaschine, das große Mischpult steht ja noch da. „Aber nicht mehr oft, denn heute gibt es dafür Computer.“

Nur Schildkröte war noch nie in dem dunklen Raum mit den bunten Lampen. „Wir treffen uns erst einen Tag vor unserem Konzert“, sagt Kalle Popp, „wir proben nicht.“ Er lacht: „Schreib’ das lieber nicht in die Zeitung, sonst will uns nachher keiner hören. . .“