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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Musik: Tückische Hörner und angehäufte Noten

21.10.2017

Oldenburg Einer wie Johann Sebastian Bach hätte ja auch Schriftsteller werden können, bei dieser Genialität. So im Stile von Thomas Mann? Mit diesem Ineinandergreifen von Satzstruktur, Wortschatz, Gefühl und mitreißendem Schreibfluss?

Einen wie Georg Philipp Telemann könnte man sich dann als schreibenden Kollegen vorstellen. Als einen, der mehr verfasst als alle Autoren von Ostfriesenkrimis zusammen, fesselnd, verkniffelt, doch immer auf Eingängigkeit bedacht.

Nun waren Bach und Telemann eben Komponisten. Und wer sich beim Barockkonzert im Oldenburger Schloss in die Musik der beiden Großen sinken lässt, der mag solche Unterschiede in der Grundhaltung spüren. Der Leipziger Thomaskantor entwarf Werke, die geistig die ganze Welt einschließen, hier mit dem ersten und dritten Brandenburgischen Konzert und der ersten Orchestersuite C-Dur.

Liebevoll

Der universelle Hamburger Musikdirektor zeigte dagegen oft Spaß am Vergnügen, an Volkstümlichkeit, an Unterhaltung auf hohem Niveau – im Oldenburger Schloss mit der Ouvertüre aus der plakativen Don-Quichotte-Suite und dem fetzigen Konzert für zwei Hörner und Streicher D-Dur, TWV 52.

Die Konzerte an zwei Abenden sind ausverkauft. Das wird dem prächtigen Spiel des Barockensembles des Oldenburgischen Staatstheaters absolut gerecht. Thomas Bönisch leitet die 19 Streicher und Bläser unauffällig vom Cembalo aus.

Er und die engagierte Konzertmeisterin Claudia Schmidt-Heise haben die Spielkultur des im Jahr 2011 gegründeten Ensembles auf eine hohe Ebene geführt. Bönisch setzt durchaus auf deftige Pointierungen und rhythmischen Druck. Doch vor allem macht er eines: Er wischt über keine Details hinweg. Alle lassen die Musik blühen und entwickeln jede Phrase liebevoll. Das Spiel wirkt überaus beredt. Die Oldenburger Spezialisten vorwiegend aus dem Staatsorchester entlocken den barocken Instrumenten Klangschattierungen zwischen bauschig verführerisch, elegant frisch und kernig knackig, in einer Mischung aus Innigkeit und Lockerheit. Die Hörer feiern Joaquim Palet und Johannes Birk, die mit ihren tückischen Naturhörnern wahre instrumentale Stunts hinlegen.

Dringende Empfindung

Um keine weiteren Vorurteile gegen Telemann als oberflächlichen Vielschreiber zu schüren: Zwar hat kein anderer Barockkomponist so viele Noten zu Bergen angehäuft wie er. Doch unter seinen über 3600 Werken dringen auch etliche in ihren Empfindungen in Bach’sche Tiefen vor.

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