OLDENBURG - Die Karriere begann 1922 am damaligen Landestheater. Die 18-jährige Erna Schlüter (1904-1969) begeisterte in diversen Rollen das Opernpublikum in ihrer Geburtsstadt Oldenburg. Als Wagner- und Strauss-Sängerin feierte die Sopranistin später auch in Düsseldorf, Hamburg, London und Salzburg große Erfolge.
Die Karrierewege der Oldenburger Sängerin hat Marlene Warmer etwas genauer unter die Lupe genommen. „Die Heldin großer Opern“ heißt ihre Biografie, die aus der Masterarbeit der 27-jährigen Musikstudentin an der Uni Oldenburg entstanden ist. „Da ich selbst auch singe, hat mich Erna Schlüter sehr interessiert“, sagt die Autorin.
Warmer hat in Privat- und Staatsarchiven unter anderem in Oldenburg, Mannheim und Hamburg geforscht und Quellen wie etwa alte Programmhefte studiert. Hilfreich war dabei auch der von Kurt Müller-Meinhard gehütete Schlüter-Nachlass. „Ich habe meine Schatztruhe geöffnet“, erzählt das Mitglied der Erna-Schlüter-Gesellschaft.
Die wurde anlässlich des 100. Geburtstags der Sängerin im Jahr 2004 gegründet. „Wir wollten damit ein Zeichen setzen, sonst wäre es irgendwann zu spät gewesen“, berichtet der Vorsitzende Manfred Schmoll.
„Der Name Erna Schlüter sagte mir zunächst nichts, ich habe mich aber dann gerne mit ihr beschäftigt“, sagt Prof. Dr. Melanie Unseld, die Warners Arbeit betreute. „Schlüter hat nie an einer Uni oder Musikhochschule studiert“, betont die Musikwissenschaftlerin die unkonventionelle Ausbildung. Dazu passt auch die Anekdote, die Müller-Meinhard zum Besten gibt. Demnach soll Schlüters Talent beim Fegen des elterlichen Friseursalons in der Gaststraße entdeckt worden sein.
Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Geschichte passte ihre voluminöse Stimme in die Zeit der 30er,- 40er- und 50er-Jahre, wie Unseld ausführt. „Deshalb hat man sie auch nicht gerne aus Oldenburg ziehen lassen“, ergänzt Müller-Meinhard.
Autorin Warmer gliedert die einzelnen Karrierestationen in die Oldenburger (bis 1925), die Mannheimer (1925-1930), die Düsseldorfer (1930-1940) und die Hamburger Zeit (ab 1940). Danach folgen die Kapitel über die internationalen Auftritte Schlüters. So sang sie 1953 anlässlich der Krönungsfeier von Königin Elisabeth II. in der Londoner Covent Garden Opera – der späte Höhepunkt ihrer langen Karriere.
Das Buch umfasst 103 Seiten. Es ist im Isensee-Verlag erschienen und wurde von der Oldenburgischen Landesbank gefördert. Es kostet 19,80 Euro. Dem Buch liegt eine CD mit Aufnahmen Erna Schlüters bei.
