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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Weite Blicke durch 30 Fenster

21.04.2018

Oldenburg Wer zum Gespräch Sarah Nemtsov in Haifa in Israel mit „Moin” begrüßt, dem kann ein herzliches „Moin, moin auch” zurückschallen.

Die höchst renommierte Komponistin durchmisst zwar die musikalische Welt, aber sie weiß um die prägende Kraft von Kindheit und Jugend. Die hat die 37-Jährige in Oldenburg verbracht. Deshalb empfindet sie es „als große Ehre und sehr bewegend”, was ihr am 4. Mai angetragen wird: Sie erhält den Oldenburger Kompositionspreis für Zeitgenössische Musik.

Kindheit In Oldenburg

„Fenster. Shloshim” heißt die Komposition, mit der sie die Jury für sich einnahm. Sie ist mit Flöte, Klarinette, präparierte Harfe und Schlagzeug für das Berliner Ensemble „Adapter“ gesetzt, dazu kommen Projektionen. Aufgeführt wird die Komposition während eines Festakts im Oldenburger Kulturzentrum PFL. „Da schließt sich für mich auf wundervolle Weise ein Kreis”, sagt Sarah Nemtsov.

In dieser Umgebung um das PFL ist sie als Sarah Reuter aufgewachsen. „Oldenburg ist überhaupt eine schöne Stadt zum Großwerden”, sagt sie. Ihre Mutter, die Malerin Elisabeth Naomi Reuter, zählte zu den Gründerinnen der jüdischen Gemeinde. „Bei den vielen Kirchen in der Nähe gab es immer Glockenklänge“, erinnert sie sich. In bestimmen Momenten fließen die auch mal in Kompositionen ein: „Gongs spielen da eine Rolle.“

Komposition hat sie in Hannover und Berlin studiert. Zudem war sie eine sehr gute Oboistin mit ersten Preisen im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert”. Mit ihrem Mann, dem Pianisten Jascha Nemtsov, lebt sie in Berlin. Aktuell lehrt sie im Sommersemester als Gastdozentin Komposition an der Universität Haifa.

„Einem Einsortieren in Schubladen” verweigert sie sich strikt. Ihre deshalb kaum greifbare Vielfalt könnte ihre hohe Akzeptanz als Komponistin ausmachen. Als „wild wuchernde Inspiration” haben Fachmedien ihre Arbeitsweise beschrieben.

„Ich mag ja leicht verstimmte, verbogene Sachen”, räumt sie lachend ein, „und sehr gern Schlagzeug.” Alles setzt Sarah Nemtsov vielfältig ein, bis hin zur großen Oper, uraufgeführt zuletzt in München oder Halle. Von ihren über hundert Kompositionen sind viele mit namhaften Preisen bedacht worden.

Kontrapunktisch dicht ist ihre Musik gefasst. „Jüdische Musik bildet eine meiner Grundlagen”, gibt sie an, „von Literatur lasse ich mich inspirieren, inzwischen geben auch politische Entwicklungen Anstöße.“ Viele Farbfacetten und Farbbrechungen basieren auf Grundlagen aus dem Elternhaus: „Bei meiner Mutter habe ich beim Entstehen ihrer Bilder jede Art von Mischungen erlebt.“ Natürlich umarmt diese Musik die Hörer nicht immer. So kennt Sarah ablehnende Buhs ebenso wie herzliche Zustimmung. „Das Angebot ist ungeheuer vielfältig geworden, und das Publikum offener und neugieriger”, urteilt sie.

Bilder der Mutter

„Fenster. Shloshim” könnte gut für diese Komplexität stehen. Es würdigt ihre im November 2017 gestorbene Mutter auf besondere Weise. „Shloshim steht im Hebräischen für 30”, erläutert die Komponistin. „Es gibt im Judentum verschiedene Phasen der Trauer. Eine ist 30 Tage nach der Beerdigung.” Ihr Werk besteht aus 30 Teilen. „Jeder Teil ist ein Fenster, das andere Blicke freigibt.“

Zu jedem neuen Teil werden Ölgemälde von Elisabeth Naomi Reuter projiziert. „In ihren letzten Jahren in Berlin hat sie eine ganz eigene Kunstsprache entwickelt”, erläutert sie. „Der Mensch ist in den Mittelpunkt gerückt. Den Gesichtern fehlt häufig der Mund, dafür sind die Augen umso eindringlicher. Ihre Bilder sprechen von Schmerz und Verlust, aber auch von der Kraft der Liebe und Empathie.“ Da schließt sich der Kreis ganz eng.

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