OLDENBURG - OLDENBURG - Wer hätte die Tempel der Natur, der Weisheit und der Vernunft zwischen Weser und Ems vermutet? Und wer hätte gedacht, dass sich die heiligen Stätten jeweils als Hühnerstall, Bibliothek und Küche erweisen? Wahrscheinlich niemand, der schon mal Mozarts berühmte Zauberflöte gehört und gesehen hat.
Der international renommierte Theaterregisseur und Maler Achim Freyer, der bereits große Erfolge mit drei seiner Zauberflöten-Inszenierungen feiern konnte, hat die Klavierbearbeitung des Mozartstücks für zwanzig Finger von Alexander Zemlinsky zur musikalischen Basis seiner neuen ureigenen Inszenierung gemacht. Ein „Sing und Spiel“, bei dem auch geturnt und gesprochen wird, interpretiert von sechs Mitgliedern des 1992 vom Regisseur gegründeten Freyer-Ensembles. Mit hervorgehobener postmoderner Künstlichkeit wurde dieses Musiktheater bewusst in einem zeitgenössischen Rahmen in das Kleine Haus des Oldenburger Staatstheaters transzendiert.
Die Inszenierung macht das Thema als eine Skelettierung der Geschichte erlebbar, die damit eines ihrer wahren Gesichter zeigt. „Vermittlung durch Reduktion: Sechs Spieler, zwei Pianisten und der ganze Kosmos wird transparent“, meint der Regisseur. Das Ganze wird gepaart mit einigem Humor und ein wenig Polemik: Die Pamina wird durch eine Puppe dargestellt, die im Verlauf des Stücks mehrfach geschüttelt, verdreht, getreten und missbraucht wird. Auch die Persiflage auf das Fernsehen und der (selbst)mörderische Amoklauf des Vogelmenschen Papageno am Ende des Gastspiels, verweisen auf aktuelle Geschehnisse. Die intelligente Einbeziehung der Musiker und des Publikums in das szenische Spiel vermitteln zudem ein Gefühl der Zugehörigkeit.
Der konservative Mozartliebhaber, der „seine“ Zauberflöte erwartet, dürfte jedoch einige Probleme mit dem Stück haben. Wer sich aber darauf einlässt und der Erwartungshaltungen entledigt, hat mit dem Freyer-Ensemble die Möglichkeit, in den Genuss eines intelligenten, humorvollen und großartig interpretierten Theaterstücks zu kommen. Es gab langen und kräftigen Applaus.
