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nordwest-zeitung

Neue Ausstellung Im Oldenburger Kunstverein Mehr Farben, als das Auge fassen kann

Oldenburg - „Ich sehe was, was Du nicht siehst!“ ist auch im digitalen Zeitalter eines der beliebtesten Spiele. In der naiven Annahme, dass Sichtbares verborgen bleibt, reklamieren die Betrachter den exklusiven Blick für sich. Das kann man naiv nennen, weil doch alles sichtbar ist – oder vorausschauend, weil das Gehirn aufgrund unzähliger neurologischer Prozesse und Informationen ein Bild aufbaut.

Adrian Sauer ist solch ein digitaler Bilderbauer. Bei dem 1976 in Berlin geborenen Fotografen fließen Handwerkskunst und Profession ineinander. Der Oldenburger Kunstverein widmet dem 44-Jährigen in den Räumen am Damm 2a die Ausstellung „Foto Arbeiten“, die von diesem Freitag an bis zum 8. November zu sehen sein wird.

In der analogen Zeit waren Fotografieren und Knipsen klar voneinander zu unterscheiden. Gute Fotos konnten in der Dunkelkammer noch besser werden, schlechte Bilder blieben schlecht. Doch mit dem Smartphone in der Hand fühlen sich viele zum Fotografen berufen – doch nur wenige sind auserwählt für den Beruf.

Über 16 Millionen Farben

Wissenswertes zu Künstler und Ausstellung

Adrian Sauer wurde 1976 in Berlin geboren. Er studierte von 1997 bis 2003 in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Im Jahr 2005 folgte der Meisterschülerabschluss bei Timm Rautert. Er lebt und arbeitet in Leipzig. Sein Vater ist Chemiker Joachim Sauer, Ehemann der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Seine Ausstellung „Foto Arbeiten“ ist von diesem Freitag (15 bis 20 Uhr) an bis 8. November in den Räumen des Oldenburger Kunstvereins, Damm 2a, zu sehen. Öffnungszeiten dienstags bis freitags 14 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen 11 bis 18 Uhr.

In diesen Zeiten gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Weitere Information auf der Webseite:

Adrian Sauer hat sein Handwerk analog gelernt und digital zur Meisterschaft gebracht. Ein zentrales Bild der Ausstellung ist dem in der digitalen Fotografie verwen-deten „8-bit Rot-Grün-Blau Modus“ gewidmet. Die großformatige Arbeit „16.777.216 Farben“ präsentiert alle Farbwerte des digitalen RGB-Farb­raums als millimetergroße Pixel. Nach dem Zufallsprinzip angeordnet, ergibt sich aus der Ferne betrachtet eine graue Fläche. Diesen sehr technischen Ansatz kann man formal sehen oder mit Ironie betrachten. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, lautet der bekannte Aphorismus.

Adrian Sauer geht den Dingen auf den Grund. Das wird auch im Umgang mit historischen Aufnahmen von Bauhaus-Wohnräumen deutlich. Die sogenannten Meisterhäuser in Dessau wurden in Schwarz-Weiß fotografiert. Sie erscheinen gewollt funktional und kalt. Sauer verpasste ihnen am Computer einen neuen Anstrich, indem er farbliche und räumliche Situationen erstellte, die das Wohnen erlebbar machen.

Platonische Körper

Gemeinsam ist all seinen Arbeiten die Vertiefung in die Problemstellung von Abbildung und Wahrnehmung, für die beispielhaft die „Platonischen Körper“ stehen. Sauer vermittelt ein neues Verständnis des Begriffs Fotografie. Er rüttelt an unserer Wahrnehmung und den Sehgewohnheiten.

Wenn der Künstler Parkettfußboden in Quadraten abbildet und neu zusammenbaut oder einen Polyeder wie in „Light and Dark Stars“ aus dem Jahr 2017 auf die Spitze treibt, dann wird die figürliche Darstellung zur Lust. Und wer weiß, vielleicht lernt der eine oder andere Schüler am Ende der Ausstellung „Foto Arbeiten“ sogar, die Geometrie zu lieben.

Oliver Schulz
Oliver Schulz Redaktion Kultur/Medien (Ltg.)
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