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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Oliver Kersken - Der Diplomat der Dienstpläne

20.09.2019

Oldenburg Pausen kennt die klassische Musik vorwiegend in den Partituren, aber kaum im Tagesbetrieb. Oliver Kersken kennt jede Menge Partituren, aber keine Pausen. So ist das eben bei einem, der sich um den Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresbetrieb des Oldenburgischen Staatsorchesters kümmern muss. Orchesterdirektor nennt man diese Position.

Nervenstärke nötig

Andreas Bertz hat sie bisher bekleidet. Sein Arbeitsalltag, so hat er einmal gesagt, bestehe darin, „die Umsetzung des Spielplans so zu gestalten, dass sich unser wunderbares Orchester jeweils in Bestform präsentieren kann“. Er weiß also, was auch an seiner neuen Wirkungsstätte in Duisburg bei den dortigen Philharmonikern auf ihn zukommt.

Kersken (51) ist sein Nachfolger. Auch er weiß genau, was ihn erwartet. Bertz konnte als Posaunist sehr dezidiert das Innenleben eines filigranen Orchesterkonstrukts analysieren. Kersken steht als Hornist ebenfalls mittendrin.

Das ist in dieser herausgehobenen Position sehr hilfreich. Wohl auf keinem Instrument ist es so leicht, einen falschen Ton zu produzieren. Wer Horn spielt, muss ebenso Nervenstärke wie Sensibilität besitzen, ja, und auch etwas Demut.

Doch Kersken ist Rheinländer. Das kann der Düsseldorfer im Gespräch höchstens zehn Sekunden verbergen. Dann bricht durch, was oberflächlich als „rheinisch frohsinnig“ bezeichnet wird. Bei genauer Betrachtung treten Optimismus, Motivationskunst, Kommunikationsstärke hervor – das Wissen, dass es für jedes Problem Lösungen geben kann.

Wo er in Oldenburg Handlungsbedarf sehen könnte, damit hält er noch hinter dem Berg: „Da beobachte ich erst mal intensiv.“ Doch auch die bisherige Sicht von außen hat seine Einschätzung verfestigt: „Oldenburg soll als ein kleineres Haus in der großen Theaterlandschaft gelten? Na, da sollten sich die Oldenburger aber nicht zu klein machen lassen!“

Eigenes Orchester

Der prägendste unter den Lehrern des Hornisten Kersken war Hermann Baumann. Der wies ihm den Weg vor allem zum Naturhorn. So hat er sich 1994 aus dem Orchester des Nationaltheaters Mannheim verabschiedet. Als freischaffender Künstler führte es ihn zu Ensembles wie der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Freiburger Barockorchester, zu l’arte del mondo, dem Concerto Köln oder zur Tafelmusik Toronto.

Die Neue Hofkapelle Düsseldorf rief er im Jahr 1995 quasi als sein eigenes Orchester ins Leben. Auch das Festspielorchester Dresden, unlängst erst bei einem großen Fernseh-Auftritt zu erleben, ist Kerskens Gründung. Lehraufträge für Naturhornspiel oder historisch orientierte Aufführungspraxis erhielt er in Düsseldorf und Leipzig. Kurzum: Der Neue bringt geballte Erfahrung mit.

Aus der Reserve

Wer die Musikszene derart breitflächig beackert, dem ist Oldenburg natürlich schon früher aufgefallen. 2011 hat Oliver Kersken die Horngruppe bei der „Walküre“ auf der zeitweiligen Ausweichspielstätte Fliegerhorst verstärkt. Er hatte zudem gemeinsame Auftritte mit Jorge Palet, dem Solohornisten des Staatsorchesters.

Der aktuelle „Ring des Nibelungen“ im Großen Haus lockt ihn dann doch etwas aus der Reserve des Anfangs. „Auf der Bühne sind die Brünnhildes, Siegfrieds oder Wotans natürlich direkt präsent“, sagt er. „Doch bei Wagner ist das Orchester ebenso ein großer Star. Ist den Leuten eigentlich klar, was da im Orchestergraben geleistet wird? Ich weiß, die Oldenburger schätzen und lieben ihr Staatsorchester. Aber vielleicht macht sich da ein Gewöhnungseffekt breit. Wie wäre es, das Orchester allgemein und die Musikerinnen und Musiker persönlich in der öffentlichen Wahrnehmung noch etwas präsenter zu machen?“

Inmitten von viel Kleinarbeit mit Dienstplänen, Absprachen, Präsentationen, interner Diplomatie, Anstößen und auch Konflikten ist das in der Tat eine mächtige Herausforderung. Dafür sieht der Orchesterdirektor solide Grundlagen: „Das Haus weist eine enorme Vielfalt auf, aber es bestehen überschaubare Strukturen. Da kann man sich die Ideen richtig gut zuspielen.“

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