Oldenburg - Corona ist Käse. Braucht kein Mensch. Nervt, lähmt, macht manchem Angst. Auch das Leben von Vivien Catharina Altenau wurde davon getroffen. Die langjährige Mitarbeiterin des Theaters Laboratorium wurde wie Millionen andere plötzlich zur Kurzarbeiterin. Nichts mehr zu tun. Bis zur Sommerpause im Juli bleiben die Bühnen des beliebten Theaters leer.
Aber die Programmleiterin des Bremer MusketierVerlags ist nicht der Typ, der sich in der verordneten Stille einfach ergibt. Sie sagt: „Es ist die Stille, die dafür sorgt, dass wir es flüstern hören.“
Sie macht daraus etwas, sie wagt etwas. Sie startet einen Aufruf und machte den viralen Ausnahmezustand zum schöpferischen Kick für viele Menschen, die sich in diesen Zeiten auch nicht ergeben, sondern es flüstern hören. Die ein Ohr haben für das Unbegreifliche. Die für sich und andere das Monströse auf menschliches Maß stutzen. Die den Mut haben, sich ihrer Kreativität zu bedienen.
So entstanden die „Corona Papers“ – eine Anthologie als Coproduktion zwischen Lyrik, Essay und Prosa, vielsprachig, mit Illustrationen von Niusha Ramzani. Die Herausgeberin sagt: „Es ist ein Gemeinschafts-Kunstwerk als Gegenmaßnahme zum Stillstand, als Angriff auf die negativen Schwingungen und Stimmungen, als Gegenmittel zum Trübsalblasen.“
Vivien Catharina Altenau wollte es wissen: „Was willst du später im Schaukelstuhl deinen Enkeln in Erinnerungen an diese Corona-Krise erzählen?“ Sie hat gesagt: „Schreibt mit mir ein Buch. Lasst uns diesen Moment des Mangels in einen Augenblick der Menschlichkeit verwandeln. Lasst uns echte Nähe schaffen.“
Alle haben eingeschlagen, darunter bekannte Slam-Poeten wie Annika Blanke, auch der Schriftsteller Irmin Burdekat, der Schauspieler Martin Leßmann, Musiker, Literaten, Freigeister, optimistische Pessimisten und wortgewandte Normalos aus aller Welt, „für die im Moment so gar nichts mehr normal daher kommt. Sie haben aufgehört herumzujagen und ihre Gedanken wandern lassen. In unterschiedlichsten Textformen haben alle ihr Empfinden in der Ausnahmesituation verfasst. „Romantisch, informativ, auch provokativ. Erlaubt war alles, was Buchstaben enthält“, sagt Vivien Catharina Altenau.
Es ist eine bunte Sammlung geworden von Menschen jeden Alters, die der Fassungslosigkeit etwas entgegensetzen. Mitten aus dem Lockdown sind es Strahlen jeder Couleur, mal kürzer, mal länger, auf der Suche nach dem persönlichen Notausgang. Alle zeigen: Egal, was wir ausleuchten müssen, das Licht ist vorhanden, in uns. Man kann immer etwas tun. Und manchmal helfen schon Worte. Das kann gelassen machen. So, wie der Zweizeiler „Bunten & Binnen“ von Christian, dem Typisten und Slam Poeten, der das Morgen schon vor Augen hat:
„Und dann fällt der Schnee,
und Oma trinkt Tee“.
Hoffnung darf anstecken. Corona Papers – Texte aus dem Lockdown, 130 Seiten, illustriert, Vivien Catharina Altenau, www.musketier-verlag.de, 14 Euro, altenau@musketierverlag.de, ISBN: 978-3-946635-35-2.
