OLDENBURG - Sie hat einen nicht ganz alltäglichen Job. Nanna Lüth (44) ist Kunstvermittlerin und arbeitet am Oldenburger Edith-Ruß-Haus für Medienkunst. Gemeinsam mit der Leiterin des Hauses, Sabine Himmelsbach (44), hat sie nun ein das Buch herausgebracht: medien kunst vermitteln.
Auf dem Cover ist ein roter, niedlich anmutender Atompilz aus Stoff zu sehen. Der Huggable Atomic Mushroom zu deutsch etwa Knuddel-Atompilz von Dunne & Raby liefert den direkten Einstieg in die Thematik. Er wurde 2010 in der Ausstellung My War gezeigt und ist ein Beispiel für die Schwierigkeit Kunst zu vermitteln und zu verstehen.
Es ist eine große Herausforderung, die Leute an Kunst heranzuführen und sich damit auseinanderzusetzen, was sie damit anfangen können, sagt Lüth. Man muss sich bei der Arbeit auch sehr für die Menschen interessieren.
Dabei ist ihr wichtig, einen elitären Blick auf Kunst zu vermeiden. Die Kunstvermittlerin räumt zwar ein, dass sie selbst durch ihre vom Elternhaus mitgegebene Bildung privilegiert ist. Sie betont aber, dass sie gerade deshalb aufpassen muss, nicht von oben herab zu agieren. So fordert sie im Vorwort Kunst für alle, um gesellschaftlichen Ungleichheiten etwas entgegenzusetzen.
Das Nachschlagewerk liefert eine theoretische Reflexion der praktischen Vermittlungsarbeit der vergangenen drei Jahre. Studenten und Professoren und sogar ein Bühnentechniker haben sich mit eigenen Beiträgen über die Vermittlung von Kunst am Buch beteiligt. Die Arbeit spiegelt gesellschaftliche, ökonomische, aber auch persönliche Veränderungen wieder, sagt Nanna Lüth. Dabei hebt sie hervor, dass Kunst nicht nur gefallen, sondern auch zur kritischen Auseinandersetzung anregen solle.
In einem Workshop etwa schilderten Asylbewerber aus dem noch bestehenden Flüchtlingslager Blankenburg ihre Flucht- und Kriegserlebnisse. Schüler und Kunststudenten haben versucht, diese Erlebnisse in Bilder zu packen. Nach Vorbild des britischen Straßenkünstlers Bansky setzte sich ein anderes Projekt gemeinsam mit Schülern der Haupt- und Realschule Alexanderstraße in Oldenburg mit der ironischen Brechung von Kriegssymbolen auseinander. Dabei ging es auch um die Verschiebung der Deutung von Kunst.
Das Buch medien kunst vermitteln kostet 14 Euro, es hat 160 Seiten und kann auf der Internetseite des Oldenburger Edith-Ruß-Hauses bestellt werden.
