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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Neues Album: Leonard Cohens tiefgründiges Vermächtnis

14.12.2019

Oldenburg Es war im Oktober 2016, als Leonard Cohen in einer Pressekonferenz scherzhaft verkündete, er habe vor, ewig zu leben. Die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der internationalen Presse lachten – wenige Wochen später, am 7. November, war der kanadische Sänger nach einem Sturz in seinem Haus in Los Angeles verstorben.

Auf jener Pressekonferenz hatte Cohen „You Want It Darker“ vorgestellt, sein Album voller Todesahnungen mit Zeilen wie „I’m leaving the table, I’m out of the game“. Fragen, ob es ein weiteres Album geben werde, beantwortete der 82-jährige, von Krankheit geschwächte Cohen mit: „So Gott will.“

Und Gott wollte. Oder zumindest Cohens Sohn wollte: Drei Jahre nach Leonards Tod hat Adam Cohen, der schon „You Want It Darker“ produzierte, mit „Thanks for the Dance“ nun posthum das 15. Studioalbum seines Vaters veröffentlicht – ein würdigender zweiter Abschied von dem großen Songpoeten.

Bekannte Mitstreiter

Bis kurz vor seinem Tod schrieb Leonard Cohen und nahm Geschriebenes auf. Um die Songskizzen, die auf „You Want It Darker“ keinen Platz mehr fanden, in eine musikalische Form zu bringen, mobilisierte Sohn Adam für „Thanks for the Dance“ eine Reihe namhafter Künstler, darunter Beck, Damien Rice oder Leslie Feist und Weggefährten Cohens wie Jennifer Warnes und Javier Mas. Als wollten sie sich ein letztes Mal vor dem Meister der Melancholie verneigen, halten die Musiker sich jedoch dezent im Hintergrund: Cohens sonorer Sprechgesang und feine Poesie dominieren das berührende Album.

Leonard Cohen, 1934 in Montreal geboren, sah sich stets mehr als Dichter denn als Sänger. Als er 1967 sein erstes Album „Songs of Leonard Cohen“ aufnahm, tat er dies nur, weil sich mit Musik besser Geld verdienen ließ als mit Schreiben – mehrere Gedichtbände und Romane hatte er bereits veröffentlicht. Seine schwermütigen Lieder kamen gut an, Cohen blieb dabei, seine tiefgründigen Verse fortan zu vertonen. Vom mäßig erfolgreichen Poeten wurde er schnell zum weltbekannten Songpoeten.

Mit Liedern wie „Suzanne“, „So long, Marianne“ und „Hallelujah“ ist Leonard Cohen längst in die Musikgeschichte eingegangen – oder besser: Seinen Platz im „Tower of Song“ sicherte er sich lange vor seinem Tod.

Doku über Liebespaar

An Cohens drittem Todestag, kurz vor Veröffentlichung des neuen Albums, kam die Dokumentation „Marianne & Leonard – Words of Love“ in die Kinos. Der britische Filmemacher Nick Broomfield erzählt darin die Geschichte von Leonard Cohen und dessen alter Liebe Marianne Ihlen, die sich in den 1960er Jahren auf der griechischen Aussteigerinsel Hydra kennenlernten. Zugleich ist der Film ein feinfühliges Porträt des charismatischen Kanadiers: Er erzählt auch von Cohens Weg vom Dichter zum Sänger und seinem Image eines „Ladies‘ Man“.

Doch zurück zu „Thanks for the Dance“. Man kann dieses Album einfach nebenbei hören und sich von Cohens besänftigender Stimme einlullen lassen. Man kann aber auch genau hinhören und die letzten poetischen Weisheiten Cohens auskosten.

Gesprochene Gedichte

Zum Beispiel in „Moving on”, dem wehmütigen Abschied von einer verflossenen Liebe, mehr langsam gesprochenes Gedicht als Gesang, dazu zarte spanische Gitarrenklänge:

„Now you’re gone as if there ever was a you. Who broke the heart and made it new?” –

„Nun bist du fort, als hätte es ein Du je gegeben. Wer hat das Herz gebrochen, wer machte es neu?“

Oder in „It’s Torn“: Vor tiefem Bass und engelsgleichem Backgroundgesang klingt Cohens markanter Bariton fast zerbrechlich:

„It’s torn where there’s beauty, it’s torn where there’s death, it’s torn where there’s mercy, but torn somewhat less.” –

„Es ist zerrissen in Schönheit, zerrissen im Tod. Es ist zerrissen in Gnade, aber dort nicht so sehr.“

Im letzten Lied bittet Cohen, begleitet von leisen Klavierklängen, man möge nicht ihm, sondern lieber dem Kolibri mit seinen schnellen Flügelschlägen zuhören:

„Listen to the hummingbird, don’t listen to me.“ –

„Lauscht dem Kolibri. Lauscht nicht mir.“

Ein schöner, bescheidener Abgang, doch Cohen-Fans werden dieser Bitte schwerlich nachkommen. Lieber werden sie sich an den Titelsong halten und Cohen für diesen Tanz; nein, für all seine Tänze danken. In „Thanks for the Dance“ scheint Cohen versöhnlich, jedoch wehmütig auf sein Leben zurückzublicken und Frieden zu schließen, dass es zu Ende geht:

„Turn the music on.“ – „Dreh die Musik auf.“

„Pour out the wine.“ – „Gieß den Wein ein.“

Und dann beschwingt im Walzerrhythmus, mit leiser Blaskapellenmusik und Frauenchor im Hintergrund, als würde er hinaustänzeln:

„Thanks for all the dances. One, two, three, one two, three, one.”

Danke für diesen letzten Tanz, Leonard.

Nathalie Meng Redakteurin / Online-Redaktion
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