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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Oldenburger Kunstverein: Mut und Experimentierfreude als Selbstzweck

07.03.2020

Oldenburg Das Licht im Kunstverein ist wie gemalt. Die Sonne sucht sich an diesem wechselhaften Märztag ihren Weg durch das große Oberlicht, die Helligkeit fällt auf den Boden, streift vereinzelt Werke und verursacht dabei Schatten hinter den Holzpfosten. Die fliehenden Wolken am Himmel sorgen für Kontrast, verdunkeln dort, wo kein Strahler ist, verursachen dramatische Stimmung und bauen Spannung auf. Man könnte ernsthaft in Erwägung ziehen, dass die umtriebigen Netzwerker des Oldenburger Kunstvereins auch beim Wetter ihre Hände im Spiel haben, denn das kommende Ausstellungsprojekt (15. Mai bis 2. August) trägt den Titel „Wolken in der zeitgenössischen Kunst – flüchtig, zeichenhaft, bedrohlich“.

Dass die älteste Kulturinstitution für Bildende Kunst in Oldenburg mehr als 176 Jahre auf dem Kreuz trägt, kann man kaum glauben. „Younger than ever“ mag man ausrufen angesichts der präsentierten Künstler und der kuratierten Ausstellungen: aktuell die der Fotografin Heidi Specker, die mit „Damme“ zu ihren Wurzeln zurückkehrt, zuvor das große Talent Grace Weaver aus New York mit der illustrierten Lebendigkeit des Alltags im „Big Apple“, Florian Baudrexels raumgreifende Wandreliefs und Skulpturen, Renaud Regnerys Multimaterial-Werke oder auch Nasan Turs holzschnittartige Kapital-Kreationen. Sie alle dokumentieren die lebendige Auswahl der vergangenen Zeit und das besondere Gespür der Kreativen um die Vorsitzende Gertrude Wagenfeld-Pleister, Trends zu erahnen und zu setzen.

Im Bermuda-Dreieck

Im Oldenburger „Bermuda-Dreieck der Kunst“ – Schloss, Prinzenpalais und Augusteum – gelegen, fand der Kunstverein sein Alleinstellungsmerkmal. Die „Fokussierung auf „Zeitgenössische Kunst überregional“ und Junge Kunst „vor dem Durchbruch“ sind nicht nur Schlagworte, sondern geübte Praxis.

Der talentierteste, hoffnungsvollste Künstler nützt indes nichts, wenn die Besucher nicht zu ihm kommen oder er sie nicht erreicht. Dafür sorgen dann regelmäßig Multiplikatoren. „Um zu zeigen, was Bestand haben in der zeitgenössischen Kunst heißt , gehört zu unserem Konzept, von Zeit zu Zeit seit Längerem in der Kunstwelt erfolgreiche Künstler zu zeigen, besonders, wenn sie eine so außerordentliche Stellung erreichen wie Thomas Schütte“, erläutert Gertrude Wagenfeld-Pleister.

Die viel beachtete Ausstellung im Frühjahr 2018 anlässlich des 175-jährigen Bestehens des Kunstvereins brachte einen der prominentesten deutschen Gegenwartskünstler in seine Heimatstadt zurück. Schütte, mehrfacher Documenta-Teilnehmer und Gewinner des Goldenen Löwen als bester Einzelkünstler der Biennale in Venedig 2005, vereint Anspruch und Wirklichkeit.

Lokalheld und Kunst-Star

Auch einem anderen gebürtigen Oldenburger half der Kunstverein auf dem Weg nach oben: Michael Beutler zeigte im Jahr 2004 seine erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland. Im folgenden Jahr erhielt er den Förderpreis der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg. Seitdem erfährt seine Kunst stetig wachsende Aufmerksamkeit, die 2015 in einer Einzelpräsentation im Museum Hamburger Bahnhof in Berlin einen Höhepunkt erfuhr. Im Jahr 2017 war er mit einem Projekt auf der Biennale di Venezia vertreten.

Dass Beutler damals für seine prozesshafte Arbeitsweise die Ausstellungsräume komplett umbaute, wurde vom Kunstverein nicht nur hingenommen, sondern mit Begeisterung getragen. „Wir wollen mutig sein, auch mal unbequem. Ich glaube, dass es gerade dieses Unbequeme, nicht nach Publikumserwartung Schielende war und ist, das den Erfolg des Oldenburger Kunstvereins ausmacht“, sagt Gertrude Wagenfeld-Pleister.

Dass Kunst nicht nur schön ist, sondern auch viel Arbeit macht, wusste schon Karl Valentin. Dass Kunst von Können kommt und vor allem mit einem gut funktionierenden Netzwerk zu tun hat, ist ebenfalls klar. Die umtriebige Vorsitzende hält von ihrem Lebensmittelpunkt Berlin aus Augen und Ohren in der Kunstwelt offen, reist zu Messen und Ausstellungen.

Bald Rechercheplätze

In Oldenburg sorgen die Vorstandsmitglieder um Dr. Doris Weiler-Streichsbier, Prof. Dr. Stefan Müller-Doohm und den gebürtigen Cloppenburger Fotografen Laurenz Berges sowie Geschäftsführer Jörg Kinner für die kreativen und organisatorischen Impulse. Und nicht zuletzt sorgen die Mittel der Stadt und des Landes sowie Mitgliedsbeiträge und Sponsorenförderung dafür, dass der Laden läuft.

Auf die hohe Wertigkeit der Ausstellungen allein kann der Oldenburger Kunstverein aber nicht setzen. „Die Digitalisierung hilft uns, für ein jüngeres Publikum sichtbarer zu werden. Dazu wird hier ein kleiner Raum, der ehemalige Durchgang zum Augusteum, mit entsprechenden Rechercheplätzen ausgerüstet“, erläutert Wagenfeld-Pleister. Dass die Datenbank ein geschlossenes System bleibt, ist gewollt. „Wir wollen die Menschen ja zu uns in den Kunstverein holen.“

Von diesem Rückzugsort aus lassen sich durch die Außenverglasung übrigens wunderbar Himmelsbewegungen beobachten – zum Beispiel Wolken.

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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