OLDENBURG - Es klingt nach durchschnittlichen Forderungen eines x-beliebigen Bildungspolitikers: internationale Freundschaften knüpfen und Politikverdrossenheit bekämpfen. Doch diese Ansprüche werden tatsächlich bei der „Olmun“ gelebt.
Die „Olmun“ (Oldenburg Model United Nations) ist ein viertägiges Planspiel, bei dem die Konferenzen der Vereinten Nationen (UN) simuliert werden.
Interesse befeuern
Dabei gewinnen die Teilnehmer nicht nur internationale Verhandlungserfahrung – oft wird echtes politisches Interesse befeuert. Der Vize-Präsident der Generalversammlung, Sebastian Katzer, erklärt: „Durch ,Olmun’ habe ich erst richtiges Interesse für Politik entwickelt.“
Jeder teilnehmende Schüler vertritt jeweils ein Land – einzige Voraussetzung ist, dass es sich dabei nicht um das tatsächliche Herkunftsland handeln darf. Zwei Monate vorher erfahren die Schüler zwischen 13 und 20 Jahren, welche Position der 160 repräsentierten Länder sie vertreten müssen. So werden Oldenburger Schüler sich in die Situation von Israel, Somalia oder auch Burkina Faso versetzen.
Heikle Themen
Diskutiert wird im Menschenrechtskomitee zum Beispiel das Thema „Sexuelle Orientierung und Identität“. „Jemand nimmt dabei Saudi-Arabiens Rolle ein – und muss sich mit absolut entgegengesetzten Meinungen auseinandersetzen. Dafür muss man sich natürlich in die politischen Strukturen reinfuchsen“, erklärt die Oldenburger Generalsekretärin Catharina Jantos. Damit sich alle verstehen, darf nur auf Englisch gesprochen werden – sehr zum Vorteil der Teilnehmer: „Das übt“, so Finn-Ole Metscher, „am dritten oder vierten Tag der ,Olmun’ denkt man auch auf Englisch und unterhält sich automatisch auf der Sprache.“
Bei der zwölften „Olmun“ hat es sich eingebürgert, dass keine Klausuren geschrieben werden müssen, wenn – zumindest theoretisch – die Welt gerettet wird.
Vorlaufszeit
Bundesweit werden in Deutschland etwa 30 bis 40 solcher Konferenzen abgehalten. Mittlerweile ist die Oldenburger Konferenz mit über 700 Teilnehmern die größte – und sticht damit sogar die „Mun“ in Berlin aus.
Getragen wird das Ganze von dem gemeinnützigen „Olmun“-Verein. Die Teilnahmegebühr für die engagierten Schüler liegt bei 25 Euro pro Person. Das reicht nicht, um die Miete der Weser-Ems-Halle, kleine Snacks, Konferenzmaterialien und Fahrtkosten zu decken. Dank Sponsoren steht den jungen Organisatoren ein Budget von knapp 35 000 Euro zur Verfügung.
Üppige Vorbereitung
Grundsätzlich gilt: Nach der „Olmun“ ist vor der „Olmun“. Sobald eine UN-Konferenz simuliert wurde, steht auch schon die Vorbereitung der nächsten an: Bereits während der Weihnachtszeit des Vorjahres registrieren sich die ersten Schulen. Die offizielle Anmeldung findet dann im März statt.
Seit Sonntagnachmittag trudeln die ersten Teilnehmer ein. Um die 110 angereisten Teilnehmern aus zwölf Ländern vom Bahnhof abzuholen und ihren Gastfamilien vorzustellen. Dafür ist eigens eine „Housing-Koordinatorin“ abgestellt worden. Untergebracht sind die Teilnehmer komplett in Gastfamilien. Finn-Ole Metscher berichtet: „Ersatzplätze bei weiteren Familien sind ebenfalls reserviert.“ Für so einen reibungslosen Ablauf der Mammut-Veranstaltung hat das vierköpfige Kernorganisationsteam viel Freizeit geopfert. „In den letzten Monaten haben wir im Schnitt vier bis fünf Stunden E-Mails und telefonische Anfragen beantwortet“, so Sebastian Katzer.
Portion Idealismus
Einsatzbereitschaft und Idealismus sind dafür notwendig. So nennt Phillip Kuck als Grund für sein Engagement „neue Wege, sich auch neben der Schule weiterzuentwickeln“. Catharina Jantos hingegen erklärt: „Wenn man bei der Veranstaltungseröffnung dann in 700 neugierige Gesichter schaut, weiß man, dass es den Aufwand wert gewesen ist.“
