OLDENBURG - Hundert Milliarden Euro liefern nie den Stoff für eine Oper. Solche Summen ersparen Banken den Bankrott. Aber sie erschlagen jede Fantasie. Da sind 6000 Scudis eine andere Dimension. Diese italienischen Taler dürfen ruhig, sagen wir, Erdnüsse gegen die Euros sein. Aber sie bieten einen greifbaren Stoff, um den Josef Haydn eine Oper zaubert: „L’infedeltà delusa“, etwa: Untreue lohnt nicht. Und diese Oper, da ist sich Thomas Albert sicher, wird am 2. und 4. September im Staatstheater die Oldenburger verzücken.

Albert ist Intendant des Musikfestes Bremen, seit 20 Jahren. Ein solcher Mann ist kreditwürdig und darf daher sagen: „Jeder Schritt hier in Oldenburg hat das Vertrauen gefestigt.“ Nach den vielen guten Erfahrungen darf er sogar auf die Pauke hauen: „Dieser Haydn wird ein programmatischer Knüller!“ Es handelt sich um die Erfolgsproduktion der Musikfestspiele in Aix-en-Provence von 2008. Irgendwann in einem Gespräch mit Regisseur Richard Brunel und Dirigent Jeremie Rohrer durchzuckte Albert der Gedankenblitz: „In Oldenburg steht das ideale Theater für dieses Stück!“ So reifte der Plan, das 1773 entstandene Öperchen von Esterhazy nach Oldenburg zu bringen.

„Rhorer ist ein Musiker“, schnalzt Albert mit der Zunge, „von dem nehme ich Mozart und Haydn auch blind.“ Heiter, spritzig, von einer unglaublichen Leichtigkeit, aber voller Tiefgang sei der Stil, den Rhorer mit seinem Orchester „Le Cercle de l’Harmonie“ pflege. L’infedeltà delusa“ hat der Musikfest-Intendant sogar erlebt: „Da brandet echte Commedia über die Rampe. Das ist südländisch.“ Dazu kommen junge Stimmen. Für die Bremer ist das Programm: „Wenn wir keine jungen Leute auf die Bühne stellen, dann gehen auch keine hin.“ Eins zu eins kann die Produktion aus Aix ins Große Haus übertragen werden, einschließlich des aufwändigen Bühnenbildes.

6000 Scudis sind das Schmiermittel in der Handlung. So viel kann der junge Nencio von seinem Onkel erben, wenn er Sandrina, die Tochter des geldgierigen Filippo heiratet. Dabei ist Nencio längst mit der ärmeren Vespina verlobt. So eine Sache geht schief. Das ahnt jeder Kenner von Opern und Gerechtigkeiten.

Programm und Karten: www.staatstheater.de

www.musikfest-bremen.de