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Oper Psychogramm eines Dämons

Horst Hollmann

OLDENBURG - Vielleicht entwickelt es Regisseur Sebastian Ukena am Staatstheater zu seinem Markenzeichen, die Verschachtelungen von Gesellschaft und Lebensdramen in Gerüstbauweise zu erklären. Paul Hindemiths Oper „Cardillac” geben die ineinander geschraubten Bühnen-Ebenen ebenso das Gefühl von momentaner Festigkeit wie latenter Unsicherheit.

Erstfassung von 1926

Das Epos vom Goldschmied, der alle Käufer seiner Preziosen ermordet, gilt manchen als Hindemiths bestes Werk. Die Neuinszenierung auf dem Fliegerhorst stärkt solche Einschätzungen. Sie entwirft in 100 Minuten ohne Pause das Psychogramm des dämonischen Künstlers, der sich scheut, seine Schöpfungen einer unsensiblen Öffentlichkeit zu überlassen. Oldenburg nutzt dazu die kantige Erstfassung von 1926.

Viele Deutungen

Ob Künstler-Oper, psychologisches Horror-Kabinett, Krimi im Tatort-Stil oder surrealistisch verzerrtes Maskenspiel: „Cardillac” lässt viele Deutungen zu. Man muss sich auf eine festlegen – oder auf die ganze Komplexität. Das versucht Ukena. Und es gelingt ihm zum großen Teil, weil er Charaktere und Rituale zuspitzen kann. Da rückt ein leuchtender Quader in den Mittelpunkt, klein als schon geschaffenes Kunstwerk, groß als erstrebte Utopie.

Es haftet der Realisierung aber auch Biederkeit an. Die Regie spielt zwar betont mit der Dimension der Halle 10. Aber Weite und Tiefe des Raumes füllt sie dann doch nicht vollends. Die bedrückend lauernde Unheimlichkeit über Handeln, Denken und Moral breitet sich selten aus.

Musikalische Wucht

Die optische Reduzierung lenkt die Konzentration auf die musikalische Wucht, die der Neuinszenierung ihren Rang verleiht. Johannes Stert aus Köln stürzt sich mit dem Staatsorchester beherzt in die reibenden Spaltklänge und changierenden Rhythmen der Partitur. Er macht sie auffallend leichtfüßig, ohne sie ihrer gepanzerten Gewichtigkeit zu berauben. Expressive Bläserakkorde oder Streicherteppiche künden von Hindemiths Attacken auf die Wagner-Sucht der 1920-er Jahre.

Dabei wird den Sängern wagner-gerechte Standfestigkeit abgefordert. Der Chor (Einstudierung Thomas Bönisch) als Moden nachjagende Gesellschaft erfüllt die Vorgaben mit martialischen Einwürfen.

Differenziert in den Charakterzeichnungen sind Valérie Suty (Dame) und Paul Brady (Prévoté-Führer), eher blass Mareke Freudenberg (Tochter) und Andrey Valiguras (Goldhändler). Der Bariton von Peter Felix Bauer als Titelheld hat jenen nervösen Habitus und Anflug von Brüchigkeit, der geniale Besessenheit ebenso einschließt wie die Erkenntnis eigener Getriebenheit.

Bei Daniel Ohlmann (Kavalier) wird man bedauern, dass er so früh gemeuchelt wird. Bei Vincent Wolfsteiner (Offizier) genießt man, dass er überleben darf.

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