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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Oper: Wagemut beschert Oldenburg eine Riesenwerbung

30.09.2019

Oldenburg Am besten erzählt man die faszinierende Geschichte des „Oldenburger Rings“ vom Ende her.

Also: Nach zusammen 16 Stunden Musik, 21 910 Takten, 261 Leitmotiven, sieben Morden und 620 technischen Aktionen mit der Drehbühne nehmen Sängerinnen und Sänger Ovationen entgegen. Dann erscheint oben das Staatsorchester mit Generalmusikdirektor Hendrik Vestmann. Stürmisch gefeiert. Die Musikerinnen und Musiker haben verdeutlicht, dass bei Richard Wagner im Graben unterschwellig oft mehr passiert als plakativ auf der Bühne. Schließlich reiht sich das Regieteam auf, mit Regisseur Paul Esterhazy und Mathis Neidhardt, zuständig für Bühne und Kostüme. Bravos.

Dieser „Ring“, geschmiedet zwischen dem 4. Februar 2017 – Premiere „Rheingold“ – und dem 28. September 2019 – Premiere „Götterdämmerung“ – setzt eine spektakuläre Wegmarke in den 100 Jahren Oldenburger Operngeschichte. 2020/21 wird es den kompletten „Ring“ viermal geben.

„Dieses Großprojekt hat uns alles abverlangt, von der Disposition über die Logistik bis zu den Werkstätten, “, sagt Generalintendant Christian Firmbach und schwärmt: „Das ganze Haus ist daran gewachsen, es hat das Selbstwertgefühl aller Abteilungen gestärkt.“ Die überregionale Resonanz war „überwältigend und eine Riesenwerbung für Oldenburg.“

Es ist gelungen, das Große der Untergangs-Parabel auf beengtem Raum zu erzählen, ohne es klein zu stutzen. Esterhazy hat sein schlüssiges Konzept strikt durchgezogen, vielleicht mit der „Walküre“ als Höhepunkt. Die mythologischen Figuren kommen uns als Menschen entgegen. Und die müssen erfahren, dass eine Gesellschaft zugrunde geht, wenn sie sich selbst isoliert.

Neidhardt hat die Drehbühne zu einem Star gemacht. Bretterwände schirmen das Bergdorf ab. Aber in den Räumen und den oft ins Dunkle führenden Gassen entstehen ebenso poetische wie beklemmende Bilder. Regie und Bühne pressen das Vordergründige und das darunter Verborgene zusammen.

Klagen, nach denen es keine guten Wagner-Sänger mehr gäbe, entlarven sich als Humbug. Anstelle der Wagner-Röhren von einst drängen sehr gute, kultivierte und sauber deklamierende Sängerinnen und Sänger nach vorn. 34 Partien sind im „Ring“ zu besetzen. Eigenes Personal sowie aufstrebende Gäste meistern das überzeugend.

Die Orchester-Reduzierung auf knapp 80 Instrumentalisten beschert einen nie verschwiemelten Hörgenuss. Vestmann ist ein auf erarbeitete Präzision bedachter Dirigent, der auch mal den ordnenden Taktschlag der großen Geste vorzieht. Doch auf diese Grundsicherheit für alle setzt er einen Elan, der die Musik oft derart belebt, als habe man sie just im Augenblick mit Staunen für sich selbst entdeckt. Der gewaltige Sog von Wagners großflächiger Musikerzählung braucht den großen Spannungsbogen. Und den bekommt sie hier.

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