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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Tempo geht vor Tiefsinn bei Premiere im Staatstheater

03.04.2018

Oldenburg Was macht man, wenn der für die Jubiläumsaufführung eingekaufte Startenor nicht kommt? Impresario Sanders ist verzweifelt: Wohin mit den Krabbenbrötchen für die Besucher der Aufführung? Assistent Max hat zumindest einen Plan. Er selbst könnte einspringen, träumt er von seinem ersten großen Auftritt. Doch schließlich trifft Tenor Tito im Bugschwall seiner Gattin Maria ein, nur leider ist der Abend für den Impresario noch nicht gerettet. Da sind schmachtende Anbeterinnen und Anbeter des Tenors, ein Fläschchen Chianti, zu viel Medikamente, die den Tenor betäuben und schließlich doch Max auf die Bühne bringen.

Viel gerannt

Die Erfolgskomödie von Ken Ludwig „Otello draff nich platzen“ (Niederdeutsch: Hartmut Cyriacks und Peter Nissen) hat Alexander Marusch für die August-Hinrichs-Bühne (AHB) des Oldenburgischen Staatstheaters inszeniert. Eine temporeiche Farce, in der viel gerannt und gekreischt wird, in der kein Klischee ausgelassen wird, keine der fünf Türen des Bühnenbildes lange unbenutzt bleibt.

Warum die Komödie auch im Niederdeutschen funktioniert, das ja in seiner Erdverbundenheit und Alltagstauglichkeit der karikierten Hochkultur in der Spielhandlung eher fern ist? Das liegt an der Mischung aus dem von Regisseur Marusch verordneten Spieltempo und den darstellerischen Fähigkeiten des Ensembles, die die Frage nicht aufkommen lassen, warum im Umfeld des cholerisch-depressiven Impresarios Sanders (Alf Hauken) Plattdeutsch gesprochen wird.

Sanders-Hauken in seiner Unbeholfenheit gibt einen Impresario, der in Smoking und Frack seine durchtriebene Geschäftstüchtigkeit nicht ablegen kann. Das männliche Pendant einer Drama-Queen – großartig.

Der Sänger Tito Morelli (Udo Nottelmann), der wie seine Gattin Maria (Brigitte Gurrey) ein italienisch-gefärbtes Hochdeutsch radebrecht, steht Sanders-Hauken nicht nach. Nottelmann (als Gast, er hatte schon einmal in „Charleys Tante“ für die AHB brilliert), im Stück mit lila Socken zu grüner Hose, interessanter Haarorganisation und einem nicht unbeträchtlichen Embonpoint ausgestattet, wird eine Zeit lang für tot gehalten, um die ohnehin schrille Handlung auf Trab zu bringen.

Morelli-Nottelmann gibt den durchgedrehten und exaltierten Künstler, Brigitte Gurrey die überzeugende Karikatur einer eifersüchtigen Künstlergattin. Gesa Schierenstedt als Tochter des Impresarios und Daria Eggers als karrierebewusste Sängerin setzen ihre körperlichen Reize ein, um den Impresario zu einer Empfehlung zu verleiten. Sie sind es, die im zweiten Teil sämtliche Türen und Verstecke nutzen, während Julia (Maren Groth-Ische) den Tenor Morelli als Vamp fordert. Zu der Schar derer, die an Türen rütteln und die Handlung auf Trab halten, zählt der Hotelpage (große Spiellust: Florian Pelzer).

Irre Handlung

Der eigentliche Star, auch wenn er in der Spielhandlung als graue Maus daherkommt, ist Assistent Max (Sven Gerstmann), der mit Tenor Tito auf der Bühne singt, die Kostüme wechselt, im Hechtsprung übers Bett fliegt, und zusammen mit Morelli-Nottelmann einen zweiten Sänger im Otello-Kostüm mimt.

Entspannung von einer wilden wie irren Handlung – die Bühnenschminke des geschwärzten Otello-Gesichts hatte sich auf weitere Akteure verteilt – gab es am Premierenabend erst nach langanhaltendem Applaus. Verdient, wenngleich man bei „Otello draff nich platzen“ nicht allzu sehr ins Grübeln kommen sollte. Tempo geht vor Tiefsinn.


Alle NWZ-Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Hans Begerow
Leitung
Politik/Region
Tel:
0441 9988 2091

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