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Philosophie Suche nach dem Schönen

Oliver Bloch

OLDENBURG - Das Adjektiv des Tages war schnell ausgemacht: schön. Der üblichen Grußwort-Floskel – „schön, dass Sie alle da sind“ – verlieh Gastgeber Reinhard Schulz gleich zu Beginn eine tiefere Bedeutung. „Dieses Mal dreht sich alles um das Schöne“, leitete der Philosophie-Professor die „Karl-Jaspers-Vorlesungen zu Fragen der Zeit“ in der Universität Oldenburg ein.

Beginn der Moderne

Fragen der Ästhetik standen bei der diesjährigen Veranstaltung im Mittelpunkt. So verwunderte es nicht, dass Gastreferent Robert Pippin zu Beginn seines Vortrages erst einmal die Leinwand ausfahren ließ.

Anhand von Kunstwerken erläuterte der 63-jährige Philosoph aus Chicago sein Thema: „Nach dem Schönen. Hegel und die Philosophie der modernen Bildkunst“. Als „Fremdling im eigenen Land“ hatte Schulz den Gast zuvor bezeichnet. Seine Begründung: „Sie machen in den USA den deutschen Idealismus stark.“ Mit Pippin gastierte bereits der dritte US-Amerikaner seit Beginn der traditionellen Jaspers-Vorlesungen (1990) in Oldenburg.

Doch zunächst widmete der sich nicht dem deutschen Denker Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831), sondern dem Franzosen Edouard Manet (1832–1883). Der war Maler und brach laut Pippin mit einer Tradition. Denn Manets Werke erzeugten zu Beginn der Moderne keine sinnlich-geistige Harmonie mehr, sondern irritieren und verstören den Betrachter.

Als Beispiel führte Pippin die Gesichter der dargestellten Personen vor Augen, um dann den Bogen zu Hegel zu schlagen. „Kunst lädt zu denkender Betrachtung ein. Hegel vertrat die Auffassung von Kunst als philosophischer Arbeit, die das menschliche Selbstverständnis zu einer bestimmten Zeit ausdrücken kann“, erläuterte Pippin.

Mit Beginn der Moderne, so führte er aus, werden zum Beispiel Personen nicht mehr als Vertreter eines gesellschaftlichen Standes, sondern überwiegend als Individuen dargestellt.

Kollektives Handeln

Ganz individuell und trotzdem als Kollektiv traten dazu passend die Mitglieder des HCL-Ensembles auf, das für den musikalischen Rahmen sorgte. Mit ihren Improvisationen distanzierten sich die vier Musiker von dem „Schönen“, in Form des klassischen Jazz, um dabei neue ungewöhnliche Klänge hervorzubringen. Wie jedes Jahr wurde während der Vorlesung auch der Karl-Jaspers-Förderpreis der EWE-Stiftung verliehen. Die Auszeichnung erhielt der Münsteraner Hegelforscher David Schweikard (35) für seine Dissertation der „Mythos des Singulären – Eine Untersuchung der Struktur kollektiven Handelns“.

Mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Kunst und Wahrheit“ fand die zweitägige Veranstaltung am Mittwochabend dann ein – schönes – Ende.

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