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Philosophie Viele Wege führen zur Wahrheit

Oliver Bloch

OLDENBURG - An diesem Satz kommt keiner vorbei: Wahrheit ist, was uns verbindet. In Großbuchstaben bekommen Oldenburger Studenten und Dozenten die Botschaft beim täglichen Gang in den Hörsaal mit auf den Weg. Sie stammt von Karl Jaspers (1883–1969) und stellt das Grundmotiv des in Oldenburg geborenen Philosophen heraus. „Doch wer nach der Wahrheit fragt, stößt auf sie im Plural“, behauptet Otfried Höffe (67). Der Tübinger Professor für politische Philosophie hielt am Montagabend den Gastvortrag der traditionellen Karl-Jaspers-Vorlesungen zu Fragen der Zeit an der Universität Oldenburg.

Komplizierte Aufgabe

Wahrheit im Plural? Das klingt zunächst nach einer Inflation von Wahrheiten, die sich in Beliebigkeit verlieren könnten. Doch diesen Verdacht lässt Höffe gar nicht erst aufkommen. „Die Wahrheit, also die Tatsache, dass etwas so ist und nicht anders, ist nicht bedroht. Es geht jedoch um die Mehrdeutigkeit des Wahrheitsbegriffs“, führt er aus und beruft sich dabei immer wieder auf Jaspers. Höffe nennt Beispiele für diese Vielfalt: So gebe es zum Beispiel die existenzielle, persönliche Wahrheit, die erkenntnistheoretisch geleitete, die sich in Übereinstimmung von Denken und Sachverhalt zeige, die emotionale Wahrheit oder auch die der geschichtlichen Überlieferung.

Nur zu einfach darf man es sich bei der Suche nicht machen. „Wahrheit ist nicht einfach das, was auf Zustimmung stößt“, warnt Höffe. Denn gerade ein vermeintlicher Konsens könne durch Täuschung, Zurückweisung von Argumenten oder politische Ideologen erreicht werden. Zur Wahrheitssuche gehöre auch der Irrtum. Aber auch Lüge, Notlüge, Betrug oder Falschaussage funken immer wieder dazwischen.

Das zeigt: Die Aufgabe ist kompliziert. „Wer nach einer einzigen in sich geschlossenen Wahrheit sucht, verfehlt das Ziel“, mahnt der Philosoph, schickt allerdings eine tröstende Botschaft hinterher: „Es gibt Wahrheit, nur muss um sie gerungen werden.“ Und zwar mit Argumenten, im Gespräch.

Frage der Lebenskunst

Das fand dann am Dienstag statt, als Höffe mit seinem Schüler Dr. Dirk Brantl, Träger des diesjährigen Karl-Jaspers-Förderpreises, und Studenten über Glück in der beschleunigten Gesellschaft diskutierte. Das zu erlangen, ist für Höffe vor allem eine Frage der Lebenskunst: „Unsere kostbarste Ressource ist Zeit, nicht der Euro.“ Glück bedeute, ein selbstbestimmtes, rechtschaffenes Leben führen zu können und darin Erfüllung zu finden. Einer allzu starken Beschleunigung setzt er die Begriffe Besonnenheit und Gelassenheit entgegen.

Schließlich entwickelte sich unter der Leitung des Oldenburger Philosophie-Professors Reinhard Schulz ein lebendiges und lebensnahes Gespräch im Sinne von Karl Jaspers, der erkannte: „Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen.“

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