OLDENBURG - An einem Tag im August setzten Regenschauer binnen weniger Minuten etliche Straßen und Keller in Bürgerfelde unter Wasser, über den Pferdemarkt kam man halbwegs trockenen Fußes nur im Schlauchboot. Das ist erst ein paar Wochen her. In Brandenburg am Flüsschen Schwarze Elster ist die Hochwasserlage seit Tagen kritisch. Und im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters erlebt die Weltuntergangskomödie „De Arche Nowak“ von Erich Sedlak (ins Niederdeutsche übertragen von Cornelia Ehlers) am Sonnabend ihre niederdeutsche Erstaufführung im Rahmen des Plattart-Festivals für neue niederdeutsche Kultur. Aktueller kann Theater nicht sein. Staatstheater und August-Hinrichs-Bühne haben zum Start in die neue Spielzeit eine gute Wahl getroffen.
Hohn und Spott
Auf der Bühne eine anspruchsvolle und hintersinnige Konstruktion aus Brettern, Kisten und Kästen, die auf acht Fernsehbildschirmen ruht (Ausstattung: Britta Blanke). Zu sehen sind Bilder von dramatischen Überschwemmungen überall auf der Welt. Die Bühne ist der Dachboden von Rudi Nowak (Norbert Pfeiffer mit großer Spielfreude und Souveränität). Er rechnet fast stündlich mit einer „Sündflut“ und baut, um gewappnet zu sein, für seine Familie eine Arche. Dafür erntet er Hohn und Spott von seiner Frau Herta (Rita Martens wettert herrlich über das „verdreihte Schipp“), seinem Sohn Georg (Cay Hendryk Meyer mit Sinn für Situationskomik) und von den Nachbarn, allen voran Herr Pokrantz (Heinz Backhus als staatstragender Finanzbeamter). Als sich die Hochwasserlage zuspitzt, taucht Onkel Franz (Dieterfritz Arning ist die Rolle auf den Leib geschrieben) mit einem Rettungsring der Feuerwehr Ofenerdiek auf und begehrt wie Pokrantz einen Platz auf der Arche. In weiteren Rollen gefallen Annegret Peters als Nachbarin Pokrantz und Birgit Heim als Reporterin.
Blasmusik zum Landgang
Die Inszenierung von Michael Uhl verlangt von allen Akteuren eine absolute Bühnenpräsenz über gut 70 Minuten ohne Pause. Das Ensemble spielt hochkonzentriert, ohne steif zu wirken. Zum Theatervergnügen tragen die eine oder andere polit-satirische Spitze und eine gute Portion schwarzer Humor bei. Makaber-komisch die Vorstellung, dass die Menschen in Südoldenburg zum Bittgottesdienst mit letztem Abendmahl schwimmen, während sich das Bundeskabinett mit Bundeskanzlerin auf dem Berliner Fernsehturm zum Krisengipfel trifft und anschließend neue Steuern verkündet.
Die Arche ist derweil durch einen Tsunami vom Kurs zum Brocken abgekommen und in den Alpen am Watzmann (2713 Meter über dem Meeresspiegel) gelandet. Der erste hoffnungsvolle Landgang erfolgt zu bayerischer Blasmusik, doch die Lage ist hoffnungslos: Jeder ist sich selbst der nächste – erst Recht, wenn das Wasser bis zum Hals steht.
