• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Politkabarett: Spott aus Bayern in der Welt dahoam

01.10.2020

Oldenburg Umtata ist überall. Als die Biermösl Blosn im Jahr 2007 für zwei Wochen samt Familien, Alphörnern, Tuba und Quetschkommode in Südafrika und Namibia unterwegs waren, boten die drei Well-Brüder dort Dullijöh und Schuhplattln feil. Das Goethe-Institut entsendet seine Auserwählten eben gern in fremde Kulturkreise.

    Und so kamen sie im Folgejahr auch ins Oldenburgische Staatstheater und gewährten gemeinsam mit Gerhard Polt, der Rampensau mundartlichen Politkabaretts, einen gar köstlichen Einblick in die weißblaue Seele: „Wer beim erschten Liad überhaupts nix verstehn sollte, für den ist der weitere Verlauf sinnlos.“ Doch alle Norddeutschen sind geblieben.

Vier Weltveränderer

Auch 14 Jahre später – nach 40 Jahren gemeinsamer Bühnen- und Kritikkultur – spricht niemand von Altersmilde. Als die Biermösl Blosn im Jahr 1976 antraten, die Welt zu verändern oder mindestens Wackersdorf zu verhindern, schien die Alleinherrschaft der CSU auf Jahrhunderte zementiert, und Franz Josef Strauß war der unumstrittene Regent des Freistaates. 32 Jahre und acht Landtagswahlen später hätten die drei Well-Brüder – Stofferl, Hans und Michael – aus Günzlhofen mit dem Ende des CSU-Absolutismus 2008 Grund genug gehabt, die Instrumente im Koffer zu lassen.

Doch die Musiker – inzwischen ohne Hans Well – werden von missionarischem Eifer umtrieben, der immer noch und überall gültig ist. „Das Problem in Bayern“, sezierte Polt damals, „ist, dass wir es mit Menschen zu tun haben.“ Und die sind nicht mehr so, wie es die Bodenständigen in der tiefsten Provinz gern gehabt hätten. Oder um es mit Polt auf den Punkt zubringen: „Die Vandalen haben ihr Comeback!“

Die 2012 als Trio aufgelöste Blosn (hochdeutsch Bande) furcht durch das Programm wie die Krümelegge über den Acker. „Von da dahoam“ sind die Burschen, das haben sie immer gesungen und in Leder und Loden demonstriert. Und ihr Lokalkolorit funktionierte überall: Die Errichtung eines CSU-Museums inklusive des „mumifizierten Original-Frühstücks von Wolfratshausen“ aus dem Jahr 2002, als die Kanzlerkandidatenfrage zugunsten von Edmund Stoiber geklärt wurde, und der angeknabberten Festplatte mit belastendem Material gegen „FJS“-Sohn Max, die vom Angeklagten nicht vollständig vertilgt werden konnte.

Mit viel Herzenslust

Der Bayerische Rundfunk belegte die Volksmusiker zeitweise mit einem Sendeverbot. Das Kultusministerium in München ließ ein Schulbuch einstampfen, weil der Liedtext der bissigen Anpassung der Bayernhymne („Gott mit dir, du Land der BayWa“, dem großen Agrar-Mischkonzern des Landes) darin enthalten war.

In Zeiten der Großen Koalition im Bundestag bieten Gerhard Polt und die Well-Brüder mehr denn je ein Biotop für Kreuz- und Querdenker, für Ex-Extremisten und Immergrüne. Bei ihren Auftritten darf nach Herzenslust gespottet, gelacht und gesungen werden. Da störte es recht wenig, dass den Auftritten oft der rote Faden fehlt. Aber mit Rot haben sie in Bayern seit jeher ein Problem.

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2060
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.