Oldenburg - Franziska Loos ist ein reicher Mensch, denn sie ist mit einem unzweifelhaft großen Talent und einer unverwechselbaren Stimme ausgestattet. Deshalb kann es sich die 27-jährige Sängerin erlauben, ihre Zuhörer herausfordern. Wenn sie am 15. Januar ab 18.30 Uhr im Theater Laboratorium mit der Formation „loos.extended“ gastiert, gibt es ordentlich auf die Ohren – doch niemand würde es wagen, Schadenersatz zu fordern. Im Gegenteil.

Franziska Loos hat ihren eigenen Weg gewählt und gefunden. Mit der Ausbildung zur Marketingkauffrau und später zur Gesangslehrerin verfügt sie über ein ordentliches Fundament, der allerlei Experimente und Spielarten zulässt. Auch mit ihrem Rollenwechsel kommt sie scheinbar mühelos klar. Bei „loos.extended“ ist sie Bandleaderin, bei „A.tronic“ die Sängerin und im Vocal-Drum-Duo „Loos/Jakob“ die halbe Miete.

Wenn man bestens organisiert ist, fällt es wohl eher leicht, dem Alltag eine 25. Stunde anzufügen. „Ich arbeite glücklicherweise meistens mit Menschen zusammen, die allesamt Bock haben“, stellt sie fest und ist wohl sehr glücklich damit.

Da ihre acht Musiker quer über die Republik verstreut sind, will eine Tournee natürlich bestens vorbereitet sein. „Wenn vorher alle hart gearbeitet haben, fällt es uns relativ leicht, zusammenzufinden“, stellt Franziska Loos fest. „Die Stimmung ist dann gleich wie beim Betriebsausflug.“ Die Verleihung des „Study-Up Jazz-Award“ der Hochschule Osnabrück Ende 2017 war dann noch die Kirsche auf der Sahne.

Musikalisch hat sich die in Essen aufgewachsene und in Hamburg lebende Vocalistin beständig weiterentwickelt. Die Grammy-Preisträgerinnen Dee Dee Bridgewater und Dianne Reeves gaben ihrer Persönlichkeit ein Ziel vor. Und auf ihre drei Oktaven umfassende Stimme kann sie ohnehin stolz sein. Mittlerweile komponiert und arrangiert Loos selbst die Stücke und hält auch sonst den Laden am Laufen.

„loos.extended“ ist aktuell die Fortsetzung des Quintetts „loos.“ mit verstärktem Personaleinsatz. Vincent Dombrowski und Lukas Schwegmann haben die Kompositionen rearrangiert und auf das Nonett zugeschnitten.

Zur Band gehört auch der Oldenburger Christopher Olesch (Funky Kayle), der in Berlin Vibraphon studiert und an seine alte Wirkungsstätte heimkehrt. Gemeinsam mit der Bläsersektion wird er für die außergewöhnliche Instrumentierung sorgen.

Franziska Loos verspricht einen „liebevoll gestalteten Abend an einem wunderbaren Ort“. Die wechselnden Konstellationen in der Band lassen viel Raum für Improvisationen: „Mal groovelastig, mal sphärisch oder aber völlig modern geräuschhaft“, heißt es, wenn sie sich eines Klassikers der großen „Drei“ aus Großenkneten annimmt und ihn auf ihre Weise als Lady DaDaDa interpretiert.

Oliver Schulz
Oliver Schulz Redaktion Kultur/Medien (Ltg.)