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Porträt Eine Frau für alle Bühnen

Regina Jerichow

OLDENBURG - Ein Zimmer für sich allein, wie es einst Virginia Woolf für Frauen forderte, wäre vermutlich gar nichts für sie. Gudrun Oeltjen-Hinrichs arbeitet am liebsten auf der Terrasse oder in der Küche an einem winzigen Tisch neben Kühlschrank und Mikrowelle. Sofern sie nicht gerade unterwegs ist, um „rumzuinszenieren“. Die Theaterpädagogin, Regisseurin und Schauspielerin ist eine der wenigen Frauen, die auf und für fast alle niederdeutschen Bühnen der Region arbeitet.

Kaum trennt sie sich von einem Projekt, ist schon das nächste zur Hand. Den Überblick hat sie längst verloren. „Mit Zahlen habe ich es nicht so“, antwortet sie auf die Frage nach der Anzahl ihrer Inszenierungen. Seit sie 2007 die Leitung der Neuenburger Bühne abgegeben hat, sind es immer mehr geworden. „15, 20. . . keine Ahnung. Es hat sich so ergeben.“ Und auf die paradoxe Frage ihres Mannes, wann sie „endlich anfangen wolle aufzuhören“, gibt es auch nur eine Antwort – so schnell nicht.

Leidenschaft für die Bühne

Das niederdeutsche Theater ist für die ausgebildete Krankenschwester „eine Leidenschaft“. Geboren in Astederfeld (Landkreis Friesland), einem kleinen Ort im Moor, begann sie sich schon als Kind für das fünf Kilometer entfernte Niederdeutsche Theater Neuenburg zu interessieren, das Nedderdüütsch Theater Neeborg. Kein Wunder, schon ihre Großväter waren Mitglied, auch ihre Eltern hatten sich dort kennengelernt. Sie selbst stand mit 16 erstmals auf der Bühne.

Schon früh habe sie die Regie mehr als das Schauspiel gereizt, erzählt Gudrun Oeltjen-Hinrichs. So besuchte sie Seminare des Bühnenbundes, ließ sich als Theaterpädagogin ausbilden und hospitierte zwei Jahre bei dem Berufsregisseur Kurt Müller-Reitzner, einem alten Hasen, der noch von Max Reinhardt ausgebildet worden war. Seit dem Abschluss der Ausbildung im Jahr 2000 ist die 48-Jährige freiberuflich als Theaterpädagogin und Regisseurin tätig, die erste Regiearbeit aber lieferte sie bereits 1994 ab. Drei Jahre später übernahm sie die Bühnenleitung in Neuenburg, die sie vor zehn Jahren wieder abgab – „es ist besser zu gehen, wenn die Leute noch ,schade’ sagen“. Zuletzt stand sie als Martha in „Anfang ohn’ Enn“, der niederdeutschen Version des Klassikers „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ auf der Bühne.

Arbeit mit Jugendlichen

Regie führt sie in Neuenburg nach wie vor. Auch die Arbeit in der Theaterschule mit 25 bis 30 Jugendlichen setzt sie fort. Im Juni stand das Stück „Nich noch’n Casting“ auf dem Spielplan. Wie fast immer hat sie es nicht nur inszeniert, sondern auch geschrieben – vermutlich in der Küche, neben Kühlschrank und Mikrowelle. Parallel lief in diesem Jahr die Freilichtaufführung „Der Schimmelreiter“ in Dangast, wo sie neben Iko Chmielewski die künstlerische Leitung hatte.

Und weil das anscheinend noch nicht genug ist, gibt sie theaterpädagogische Seminare und arbeitet mit dem Jugendtournee-Theater „Wellenbreker“ des Landschaftsverbandes Stade zusammen. Es tritt im Elbe-Weser-Dreieck auf – acht bis zehn Vorstellungen, immer am Wochenende. Ein „sehr anstrengendes Projekt“, das sie in diesem Jahr zum letzten Mal betreut hat.

Also doch anfangen mit dem Aufhören? „Nee, warum?“ 2012 inszeniert sie „Wat steiht, kost’ Geld“ von Ingo Sax in Nordenham. Das verspricht „total spannend“ zu werden, denn das war auch ihre erste Regiearbeit 1994 in Neuenburg. Dass es ganz anders wird, ist schon mal klar, „denn damals habe ich mich nicht zu streichen getraut“. Das wird sie nachholen, daheim in der Küche, neben Kühlschrank und Mikrowelle.

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