OLDENBURG - Mehr als 50 Jahre hat sich die Oldenburger Musikerin und Musikpädagogin Gertrud Meyer- Denkmann für aktuelle Musik und ihre Vermittlung eingesetzt. Ihr sind Konzerte namhafter Komponisten der Avantgarde wie Karlheinz Stockhausen und John Cage in Oldenburg zu verdanken. Alles begann 1956 mit einem Brief nach einer Radiosendung: Stockhausen schlug der fragenden Absenderin vor, die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik zu besuchen. Ab 1957 nahm Gertrud Meyer-Denkmann daran teil. Sie schildert in ihrem Buch „Zeitschnitte“ sehr anschaulich, was sie empfand, als sie sich das erste Mal unter den Großen der Gegenwartsmusik bei Aufführungen und Diskussionen aufhalten konnte.

Vom kleinen Mädchen, das am Klavier improvisierte, bis zur Cembalospielerin in einem Oldenburger Barockensemble hatte Musik ihr Leben bestimmt. Um 1950 begann die Beschäftigung mit der Kunst der Gegenwart, die ihr Reinhard Pfennig, Professor an der Pädagogischen Hochschule, und ein Kreis von Künstlern ihr zugänglich machte. In ihrem Buch folgen chronologisch weitere Etappen. Leicht lesbar entsteht nebenher eine einfühlsame kleine Geschichte der Neuen Musik, an deren Vermittlung die Autorin beteiligt war: Als sie Stockhausen kritisierte, ging er auf Distanz. Sie hatte sich schon den Klängen von John Cage und James Tudor zugewandt. Ihre Pädagogik erprobte sie mit Kindern, denn sie hatte erkannt, dass der Keim des Neuen so früh wie möglich gepflanzt werden musste. Lehraufträge, zuletzt bis ins hohe Alter an der Oldenburger Uni, gaben ihr die Chance, junge Menschen an die Gedankenwelt von Cage, Ligeti, Penderecki und vielen anderen heranzuführen.

Was die Spannung der Lektüre steigert, sind Urteile, mit denen sie nicht zurückhält, und – man muss es leider sagen – Enttäuschungen wegen unzureichender Unterstützung durch Kollegen. Den glücklichen Stunden der Konzerte zeitgenössischer Musik im Schlosssaal, in Bremen bei Hans Otte, der Lehrtätigkeit in Indien, Athen, Houston oder New York standen oft Ablehnung bis hin zur bewussten Störung ihrer Veranstaltung gegenüber. Doch von anderen wird Gertrud Meyer-Denkmann wegen ihrer unvergleichlichen Kenntnisse geschätzt. Solche Ambivalenz kennzeichnet ein erfolgreiches Leben für ein schwieriges Kapitel der Kulturgeschichte.