• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bewaffneter Überfall auf Zuschauer im Staatstheater

13.02.2018

Oldenburg Das Publikum ist vorgewarnt. „Auf der Bühne wird geschossen“, steht auf Hinweisschildern vor dem Zuschauerraum des Kleinen Hauses im Oldenburgischen Staatstheater. Der bewaffnete Überfall, bei dem einige Handtaschen erbeutet werden, ist am Sonntagabend nicht der einzige Aufreger in der niederdeutschen Erstaufführung von „Adams Appeln“. Die Inszenierung von Hanna Müller, die damit ihr Regiedebüt an der August-Hinrichs-Bühne gibt, sorgt nach der gut 90-minütigen, pausenlosen Aufführung für reichlich Gesprächsstoff.

Glaube an das Gute

Das Stück, von Arne Christophersen ins Niederdeutsche übertragen, basiert auf dem erfolgreichen Film „Adams Äpfel“ von Anders Thomas Jensen. Adam, ein gewalttätiger und hasserfüllter Neonazi, soll in der Gemeinde von Pastor Johann Feldstedt zum guten Menschen werden. Integrationsziel ist, dass Adam einen Apfelkuchen backt. Es folgt ein anstrengendes Spiel mit intensiven Dialogen über das Gute und Böse.

Johann glaubt an das Gute im Menschen. Wenn es doch mal anders sein sollte, ist es der Teufel, der den Menschen auf die Probe stellt. Jakob Dalin spielt den Meister der Schönfärberei überzeugend, Thorge Cramer bewältigt die schwierige Rolle als Adam auf beeindruckende Weise.

Zu Johanns seltsamer Gemeinschaft gehören der Sexualstraftäter und Alkoholiker Gunnar (Mario Forkel), der afrikanische Tankstellenräuber Khalid (Jacques Zamblé), die gescheiterte Umweltaktivistin Sarah (Nadine Woinke) und der alte Paul (Dieterfritz Arning), ein ehemaliger KZ-Aufseher. Für deren medizinisches Wohlergehen sorgt Dr. Kolberg (Herwig Dust). Johanns schwerbehinderten Sohn spielt in der Premierenvorstellung Leonard Eisenberg. Als Neonazis mischen Klaus Pflug, Holger Schulz, Vanessa Hase, Jan-Christoph Eiting und Nicolas Thomsen mit.

Adam provoziert, er hält nichts vom „barmherzigen Schietkram“, den Johann predigt. Doch der lässt sich nicht beirren, auch nicht, als Adam das Kreuz von der Wand nimmt und ein Porträt von Adolf Hitler aufhängt. Der nächste Aufreger lässt nicht lange auf sich warten. Johann wird von Adam brutal niedergeschlagen.

Publikum bleibt gelassen

Für etwas Entspannung sorgt eine bizarre Traumszene von Johann und Dr. Kolberg zum Titel „How Deep Is Your Love“ von den Bee Gees, bevor der Blitz in den Apfelbaum einschlägt. Doch damit noch nicht genug. Khalid und Adam überfallen eine Tankstelle und stürmen dafür den Zuschauerraum.

Das Publikum bleibt erstaunlich gelassen, auch als Johann von Neonazis niedergeschossen wird. Adam findet in den Trümmern einen Apfel, das reicht für einen kleinen Apfelkuchen.

Die Schlussszene ist versöhnlich, aber auch verstörend – so wie die ganze Inszenierung. Die August-Hinrichs-Bühne hat Mut bewiesen, dieses Stück auf eine niederdeutsche Bühne zu bringen. Es ist keine leichte Kost.

Übrigens: Die erbeuteten Handtaschen werden am Ende der Aufführung alle wieder an ihre Besitzerinnen zurückgegeben.


Alle NWZ-Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Lore Timme-Hänsel
Redakteurin
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2065

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.