OLDENBURG - Lydia Steier ist gebürtige Amerikanerin, ausgebildete Sängerin und als Regisseurin vom Deutschlandradio Kultur gefeierte Neuentdeckung des Jahres 2009. Auf dem Fliegerhorst setzt sie für das Oldenburgische Staatstheater „Saul“ in Szene. „Mit dem barocken Musikwerk von Händel geht für mich ein Traum in Erfüllung“, erzählt Lydia Steier.
„Saul“ von Georg Friedrich Händel (1739) ist von der Form her ein Oratorium, „aber ganz genauso spannend wie eine Operninszenierung, die vom Chor geprägt wird“, betont die Regisseurin. Den 70 Sängerinnen und Sängern von Opern- und Extrachor des Staatstheaters attestiert sie eine herausragende Leistung: „Die barocke Klangwelt ist eine große Herausforderung, die hier meisterlich umgesetzt wird.“
Szenisch ist der Chor fast die gesamten zweieinhalb Stunden lang präsent. Er verkörpert die Gesellschaft in dieser im Kern biblischen Geschichte aus dem alten Testament. Unter Saul, dem ersten König Israels, ist sie geprägt von Konsum, Schönheit und Prunk. Barocke Bühne und Kostüme erzählen vom Zeitgeist einer alten Welt.
Mit David, der nach seinem Sieg über Goliath als gefeierter Heerführer auftritt, setzt eine Art Befreiung ein. Perücken und Kleider fliegen in die Ecke, die üppige, barocke Gassenwelt (Bühne: Katharina Schlipf) bricht entzwei. Zurück bleibt auf der Bühne nur ein großer Container. Das Volk wendet sich von Saul ab und David dem kühlen Diplomaten, zu.
David (Magid El-Bushra), Messias und gefeiert wie ein Popstar, und König Saul (Derrick Ballard), von Neid zerfressen, agieren als Pole der Inszenierung. Zwischen ihnen werden Sauls Kinder hin- und hergerissen. Allen voran Jonathan (Daniel Ohlmann), den eine enge Freundschaft mit David verbindet, den er aber im Auftrag seines Vaters töten soll. Auch Michal (Mareke Freudenberg), Sauls Tochter und später Ehefrau von David, geht an Sauls seelischer Macht-Tragödie zugrunde.
Die musikalische Leitung von Händels Meisterwerk obliegt Andreas Spering, der sich als Spezialist für alte Musik einen Namen gemacht hat. Zu den weiteren Opernsolisten zählen Inga-Britt Andersson, Michael Pegher und Henry Kiichli.
