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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Auf dieser Oldenburger Bühne wird tüchtig gequalmt

21.01.2019

Oldenburg Mehr Publikumsnähe geht nun wirklich nicht. In der gemütlichen Bar der Exerzierhalle erlebten jetzt knapp 50 Zuschauer die niederdeutsche Erstaufführung des Ein-Personen-Stücks „De letzte Smökerin“. Mittendrin Petra Bohlen als bekennende Raucherin. Die Leiterin der August-Hinrichs-Bühne stellt in der Inszenierung von Marc Becker einmal mehr ihr großes schauspielerisches Können unter Beweis und bekommt nach gut einer Stunde ununterbrochener Bühnenpräsenz verdientermaßen viel Applaus.

Welcher Raucher kennt diese Gier nicht, nach einem guten Essen genussvoll eine Zigarette zu rauchen. Die Raucherin wird dafür von ihrer Freundin Doris, seit sechs Wochen Nichtraucherin und mit entsprechend missionarischem Eifer unterwegs, auf den Balkon verbannt und dort vergessen – ausgeschlossen. Kein Grund zur Panik: Eine Kiste Bier und 28 Zigaretten sollen wohl reichen, bis Doris von ihrer Kneipentour zurückkehrt. „Man findet viel über sich raus, wenn man so allein draußen raucht“, weiß die Raucherin.

Sie malt sich aus, wie die Feuerwehr anrückt, um sie aus ihrer misslichen Lage auf dem Balkon zu retten. Aber vermutlich wird der gut aussehende Feuerwehrmann sie, die von der Gesellschaft Ausgestoßene, doch nur beschimpfen als eine von diesen dösigen Rauchern, die mit der Kippe im Mund einschlafen, dadurch die Wohnung in Brand setzen und der Feuerwehr dann viel Arbeit machen.

Raucher nehmen viel auf sich, um an ihre Zigaretten zu kommen. Mit großer Spielfreude, unvergleichlicher Mimik und Gestik schildert die Raucherin ihren Kampf mit neumodischen Automaten, die nur nach der Eingabe einer siebenstelligen Nummer und einer ausführlichen Befragung das Objekt der Begierde ausspucken. Das ist urkomisch.

Aber Petra Bohlen beherrscht auch die leisen Töne. Die Raucherin erinnert sich, wie alles angefangen hat. Sie raucht seit ihrem 14. Lebensjahr. Zigaretten kosteten damals drei D-Mark, Partys hießen Feten, im Partykeller wohlhabender Eltern wurde getanzt zu „Smoke on the Water“. Die Zigarette half über manche Peinlichkeit hinweg beim Snacken, Suupen und Knutschen.

Die Zeiten ändern sich, überall auf der Welt werden Raucher mittlerweile vor die Tür oder in zugige Ecken verbannt. Allein in Sibirien ist Rauchen noch überall erlaubt. Nowosibirsk wird zum Sehnsuchtsort für die Raucherin. Sie hat einen Plan: Sie wird Russisch lernen und als Taxifahrerin das Geld für die Zigaretten verdienen. Mit Vollbart und Fellmütze kurvt Petra Bohlen vergnügt zwischen den Zuschauern herum.

Aber Sibirien ist weit. Eine Raucherzone auf dem Straßenstrich könnte eine Alternative für die letzte Smökerin sein.

Petra Bohlen läuft zur Höchstform auf, lasziv lässt sie die Folie der Zigarettenschachtel knistern, klopft gefühlvoll jede einzelne Zigarette heraus. Das bringt den Gesprächspartner am Telefon in Wallung. Doch der will mehr, nämlich die Filterlose aus dem Softpack und auf Lunge.

Gegen 5 Uhr wird die Lage auf dem Balkon prekär. Nur noch drei Zigaretten. Wenn Doris nun gar nicht wiederkommt? Um 5.49 Uhr ist nur noch eine Zigarette da. Die Raucherin hat eine schlimme Zukunftsvision . . . – Eine gelungene Vorstellung, und Petra Bohlen liefert eine überzeugende Leistung ab, die großen Respekt verdient.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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