OLDENBURG - „Death knocks“ (Der Tod klopft an) nach dem Schauspiel von Woody Allen und „Der Kaiser von Atlantis“ von Viktor Ullmann sind zwei Kammeropern, deren Gemeinsamkeit in der Thematisierung von Sterben und Tod liegt. Ansonsten sind die beiden Kurzopern, die die Spielzeit im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters eröffnen, sehr unterschiedlich.
Der Abend beginnt mit „Death knocks“ (Der Tod klopft an). Christian Jost komponierte 2001 nach dem gleichnamigen witzig-absurden Schauspiel von Woody Allen diese 30 Minuten kurze Oper. Sie setzt jenen Augenblick in Szene, da der Tod – weiblich, attraktiv und unerwartet (Linda Sommerhage) – vor der Tür von Nat (Paul Brady) steht, der weder Zeit noch Lust zum Sterben hat.
„Death knocks“ begreift Regisseur Alexander Müller-Elmau wie ein Vorspiel, das die Zuschauer auf das einstimmt, was nach einer Pause folgt und das Zentrum des Abends bildet: Die einstündige Oper „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod bringende Verweigerung“.
Schon deren Entstehung ist erschütternd. Der Komponist Viktor Ullmann und sein Librettist Peter Kien schufen das Werk als Häftlinge im Konzentrationslager Theresienstadt. Sie erlebten noch die Generalprobe, bevor sie 1944 in Auschwitz ermordet wurden. Jahrzehnte später fand man die Partitur auf einem Dachboden in Holland und es kam zur verspäteten Uraufführung.
Die Oper ist eine Metapher für den Holocaust und seine grausame Perspektivlosigkeit. „Wie ein ganz böses Märchenspiel“, sagt Müller-Elmau, der das Stück als Erinnerung an die Schreckensherrschaft sieht ohne diese abzubilden.
Den Bühnenraum hat der Regisseur, der sich zunächst als Bühnenbildner einen Namen machte, als abstrahierten Gedächtnisort kreiert. Hier, in Atlantis, verweigert der Tod seinen Dienst und will sich nicht länger zum Handlanger des die Welt beherrschenden Kaisers machen. So unterschiedlich die Stimmungen der Kurzopern, so verschieden ist deren Musik, die das Staatsorchester unter Leitung von Karl Prokopetz intoniert. Sie reicht von Weill und Puccini über Jazz bis in die Moderne. Linda Sommerhage stellt sich in den Rollen von Tod und Trommler erstmals dem Oldenburger Publikum vor. Ebenfalls neu im Ensemble sind Peter Felix Bauer und Michael Pegher. Zu den weiteren Mitwirkenden zählen Paul Brady, Henry Kiichli, Daniel Ohlmann und Ingela Onstad.
