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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Die Sehnsucht der Seebären

07.11.2019

Oldenburg Großzügig ist er und laut, wütend manchmal, und Sehnsucht hat er nach der See: Hein Godenwind, der Kapitän und „Admirol von Mosketonien“. Sehnsucht nach der See haben auch der Seilmacher Eggert Sietas und der Steuermann Jan Dübel. Sie profitieren von dem Großmut des Kapitäns, der sich freigiebig zeigen kann, weil er eh kein Geld hat und bei der Wirtin Anna Susanna anschreiben lässt. Drei Jahre schon ist er an Land und wartet auf seine Pension, auf die er Anspruch als Admiral in Diensten Mosketoniens erworben hat. Dumm nur, dass das mosketonische Konsulat sich unzugänglich zeigt.

Ideengeber für Stückeschreiber Hans Balzer war der Schriftsteller Johann Wilhelm Kinau (1880–1916), besser bekannt als Gorch Fock, der 1911 eine „deftige Hamburger Geschichte“ über den „Admirol“ Hein Godenwind in breitem Hamburger Platt veröffentlicht hatte. Regisseurin Anja Panse hat den Stoff für die Oldenburger August-Hinrichs-Bühne adaptiert und eine Art maritime Seelen-Montage abgeliefert, in dem ein großartiges Ensemble Sehnsuchtsbilder und manche Klabautergeschichte in Szene setzt, schön choreografiert, temporeich gespielt und musikalisch auf den Punkt gebracht (Klavier und Akkordeon: Alexander Goretzki).

Anna Siegrot hat ein variables Bühnenbild geschaffen, das mal Kneipe, mal Traumlandschaft und zum Schluss der Segler „Esmeralda“ ist. Für Tempo und Lebenslust steht ein Jungmatrosen-Trio (Thorge Cramer, Connor Girgsdies und Pascal Oetjegerdes), das sich mit einer brillanten Trinkszene einführt und für starken Umsatz in der klammen Kasse der Kneipenwirtin Anna Susanna (Britta Gurrey) sorg. Der bärtige Elbfischer Pieter (Klaus Pflug, gekonnt fällt er als Betrunkener vom Barhocker) muss seinen Kutter verkaufen, den Hein Godenwind (Alf Hauken) aufkauft, um nach Jahren des Wartens an Land einen Törn über den Atlantik zu wagen. Ausgerechnet der einarmige Steuermann (Gert Prahm) und der blinde Seilmacher (Dieterfritz Arning) heuern bei Kapitän Hein als Matrosen an. Neben diesen stets präsenten Alt- und Jungmatrosen sind auch die Nebenrollen stark besetzt: Der geheimnisvolle Pablo (Eike Schaumburg) tanzt Tango mit seiner Freundin (Leonie Grote), später enthüllt sich, warum er so freigiebig sein kann. Als Seejungfrau wie als Kartenlegerin mit rollendem R erntet Maren Groth-Ische zu Recht großen Applaus. Und auch der Geldeintreiber (Tammo Poppinga) hat seine Sternstunde, als er mit einem Knall das Geldeintreiben gegen eine Seeungeheuerszene verwandelt.

Es wird ordentlich gebrüllt und gerannt in „Hein Godenwind“, gesungen und getrunken sowieso. Die Sehnsucht des Schriftstellers Gorch Fock nach der Seefahrt wird deutlich, und die Wirkmächtigkeit der maritimen Mythen zeigen sich im Stück. Das ist keineswegs klischeehaft, sondern in fantasievollen Bildern inszeniert. Am Ende sind die alten Seebären dahingerafft, leider noch bevor Hein Godenwind Anna Susanna seine Liebe erklären kann. Im Traum segelt die „Esmeralda“ übers Meer. So bleibt uns der Sehnsuchtsort als Schlussbild im Gedächtnis – und nicht verklärt, wie Gorch Fock es in seinem Herzen trug. Langer Applaus. Verdient.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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