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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere: Eine Dorfpflanze traut sich was

04.02.2020

Oldenburg Iowa ist überall! Nicht erst seit vergangenem Montag steht der kleine Bundesstaat der USA wegen der erste Vorwahl im Präsidentschaftsrennen im Rampenlicht; schon am Tag zuvor war der Mittlere Westen als Schauplatz des Stückes „De Ruum-Maten“ – nach „The Roommate“ der US-Autorin Jen Silverman – auserkoren. Die Adaption für die August-Hinrichs-Bühne am Oldenburgischen Staatstheater feierte in der Regie von Dorothee Hollender am vergangenen Sonntag eine überaus bemerkenswerte Premiere.

Mehr als anderswo erleben wir in den Vereinigten Staaten gerade die Spaltung der Gesellschaft. Es gibt in der – unter Trump ausgeübten – Sichtweise nur noch Gut gegen Böse, hart arbeitende Bevölkerung gegen saturiertes Establishment, Fox-News gegen Lügenpresse, Mittlerer Westen gegen New York/
Washington und – in
„De Ruum-Maten“: Sharon gegen Robyn, Dorfkind gegen Großstadtpflanze, Platt gegen Hochdeutsch.

Zwei Frauen aus zwei Welten kommunizieren in zwei Sprachen – kann das gut gehen? Absolut, zumindest für die deutsche Erstaufführung im ausverkauften Kleinen Haus des Staatstheaters darf man dieses Experiment (Dramaturgie Gesche Gloystein) als geglückt bezeichnen.

Kulturelle und emotionale Unterschiede prallen aufeinander. Dass der Dialog (Deutsch von Barbara Christ/Niederdeutsch von Hartmut Cyriacks und Peter Nissen)
ohne Brüche funktioniert, liegt auch am wunderbaren Zusammenspiel der Darstellerinnen. Die beiden großen Frauenrollen sind perfekt besetzt. Zum einen Rita Martens aus dem Ensemble der
August-Hinrichs-Bühne als „Native Speaker“ des Plattdeutschen; zum anderen die unvergleichliche Kammerschauspielerin Elfi Hoppe, die nach längerer Pause nun als Gast auf die Bühne dieses Hauses zurückgekehrt ist.

Zur Handlung: Sharon ist Mitte 60. Ihr Haus in Iowa City ist nach der Scheidung für sie zu groß geworden. Die Idee, eine Mitbewohnerin (englisch Roommate) aufzunehmen, mag ihr schwergefallen sein. Die Rolle der treuen Seele Sharon ist zugeschnitten auf Rita Martens, die ihre Wandlungskunst glänzend in Szene setzen kann. Die gleichaltrige Robyn – Elfi Hoppe, wie immer weltfraulich und in aller Grandezza – aus der Bronx stiftet mit ihren vielen Umzugskartons, selbstgezüchteten Marihuana-Pflanzen und anderem „Tüdelkrom“ viel Unruhe, weckt allerdings dank zahlreicher dunkler Geheimnisse die Neugier ihrer Vermieterin. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Ein Warnhinweis sei jedoch erlaubt: Diese Inszenierung ist nicht barrierefrei. Die Zweisprachigkeit kann Spuren von Missverständnissen enthalten und bei manchem Zuschauer heftige Fehldeutungen auslösen. Das ist aber durchaus gewollt. Jeder meint, was er meint – und den Rest kann man sich schon denken. Das mitfühlende Seufzen und herzhafte Lachen während der Premiere lassen darauf schließen, dass dies vom multilingualen Oldenburger Publikum verstanden wurde.

Überhaupt erlebten die
Zuschauer eine herrliche Zeitreise in ihre Jugend der Siebziger: „Yesterday“, „Riders on the Storm“ und „Mama Loo“ kamen vom Band, der Joint kreiste (nur auf der Bühne) und das Leben war so schön bunt wie früher. Doch alles ist vergänglich und ewige Jugend niemandem beschieden.

Nach zwei Stunden stand das Publikum auf und applaudierte lang und herzhaft. Dabei waren Rita Martens und Elfi Hoppe nur sie selbst – aber eben das macht die beiden Darstellerinnen unverwechselbar. Iowa ist überall – am Sonntag auch in Oldenburg!

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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