OLDENBURG - Man mag die israelischen Choreografen Guy Weizman und Roni Haver aus Groningen kennen, die in Oldenburg zuletzt „Heaven“ zeigten. Man mag auch Tanzstücke gesehen und den Fliegerhorst als Bühne des Staatstheaters schon erlebt haben. Was es aber bisher nicht gab, ist eine Tanzproduktion in Halle 10 mit über 70 Mitwirkenden. Bei „Air Ways“ stehen neben elf Tänzern der nordwest/Tanzcompagnie Oldenburg auch Sänger und Musiker auf der Bühne. Gezeigt wird das aufwändige Großprojekt nur zehnmal.
„Air Ways“, Sinnbild für den menschlichen Atemzug wie für die Luftroute eines Flugzeugs, strebt nach einer Erweiterung des gedanklichen Raumes. „Was Menschen erreichen wollen, welche Erkenntnisse sie aus Wissenschaft und Religion ziehen, all dies liegt wie eine Folie über dem Stück“, sagt Tanzdirektor Honne Dohrmann.
Guy Weizman, Haus-Choreograf am Staatstheater, bewegt sich im Spannungsfeld aus Glauben und Wissen. „Ich bin kein religiöser Mensch“, so Weizman, „aber ich denke, wir brauchen beides, um uns inspirieren zu lassen und unseren Geist zu erweitern.“
Optisch erweitern Weizman und Haver die Grenzen, indem sie auf die Wände der ohnehin riesigen Halle 10 Außenaufnahmen (Film: Jan Klug) projizieren. Auch musikalisch beschreiten sie neue Wege mit dem Oldenburger Kammerchor (Leitung: Johannes von Hoff), Streichern des Staatsorchesters (Leitung: Guido Johannes Rumstadt) und Milena Aroutjunowa an der Orgel.
Drei Musikstücke liegen auf diesem Weg: Die „Berliner Messe“ am Beginn und das „Salve Regina“ am Ende stammen von Arvo Pärt und sind religiös meditativ. Dazwischen erklingt „Weather“ von Michael Gordon, der seine Musik mathematisch mit nervöser Energie auflädt.
Die Bühne ist in kräftiges Gold und Blau getaucht, beides Farben mit symbolischer und religiöser Bedeutung. Darauf tanzen elf Tänzer, von denen fünf (aus 540 Bewerbungen) neu in der Oldenburger Compagnie sind.
