OLDENBURG - „Fräulein Julie“ war zunächst ein Schauspiel des schwedischen Schriftstellers August Strindberg (1849-1912). Der norwegische Komponist Antonio Bibalo, 1922 in Italien geboren, vertonte den Stoff später. Das Oldenburgische Staatstheater zeigt „Fräulein Julie“ jetzt als Kammeroper in der revidierten Fassung von 1984. Darin hatte Bibalo das ursprünglich große Orchester auf ein Streichquintett und Klavier reduziert.
„Eigentlich ist diese Kammeroper ein vertontes Schauspiel“, erläutert Regisseur William Robertson. Das Libretto entspricht mit Ausnahme einiger Umstellungen und Kürzungen der Strindbergschen Vorlage. „Die Texte der Opernsänger sind gut zu verstehen und wir verzichten ganz mutig auf Übertitel“, fügt der 25-Jährige hinzu, der seit der Spielzeit 2009/2010 als Regieassistent am Staatstheater arbeitet und nun sein Debüt als Regisseur feiert.
Robertson inszeniert die Kammeroper quasi als Schauspiel: „Klein, intim und real.“ Den drei Opernsängern verlangt er darstellerisch viel ab. „Ich habe großes Glück, mit so wunderbaren Sängern arbeiten zu können“, sagt der gebürtige US-Amerikaner über Ingela Onstad, Linda Sommerhage und Michael Pegher. „Wir haben die Rollen zusammen entwickelt, das ist für eine Oper ungewöhnlich“, betont Robertson, der in England klassische Philologie studierte, bevor er die deutsche Theaterlandschaft kennen lernte.
„Fräulein Julie“ ist eine Dreieckstragödie um Liebe und Macht. Julie, Tochter eines Grafen, lässt sich mit Jean, dem Diener ein, dessen Beziehung zu der Köchin Kristine daran zugrunde geht. Doch auch Julie wird nicht glücklich: Gesellschaftliche Zwänge, ein zermürbendes Machtgeplänkel und Jeans Mangel an Mut treiben sie am Ende gar in den Tod.
Johannes Stert, der in der vergangenen Spielzeit die musikalische Leitung der Oper „Cardillac“ von Paul Hindemith innehatte, dirigiert diesmal nur sechs Musiker. Ein Pianist und ein Streichquartett unterstreichen aus dem Orchestergraben heraus die Intimität der Kammeroper.
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