OLDENBURG - Die Helden haben fahlen Teint, schlaff baumelnde Glieder, und im Gesicht steht ihnen das finale Scheitern eingeschrieben. Es sind Gliederpuppen. Man heißt sie „Dido“ und „Aeneas“, und sie besetzen die Hauptrollen in einer als „Figuren-Oper“ angekündigten Aufführung von Henry Purcells gleichnamigem Werk in der Halle an der Kleinen Straße.

Die Helden sind aus Fleisch und Blut. Sie heißen Markus Wulf und Esther Vorwerk, stehen auf der Bühne hinter einem Tisch und führen dort die Figuren: der Mann den Aeneas, die Frau die Dido, und wo deren Ausdruck endet, zeichnen sie ihn pantomimisch weiter. Vorwerk tut dies zart und anrührend. Wulf, Schöpfer der Figuren und Regisseur, geht fast autistisch zu Werke, ein Aeneas, der von seiner Weisung weder weichen darf, noch kann, noch will.

Figurentheater und Pantomime – sie bleiben den Titelhelden vorbehalten –, herkömmliche Oper und Film vereinen sich in Wulfs Inszenierung zu fragilem Reiz. Wenn die Handkamera Wackelbilder an den Bühnenhimmel wirft, verwirrt das zwar mehr als es erhellt. Wenn aber Didos „Leichnam“ von Sand begraben wird, der Wulf und Vorwerk durch die Finger rinnt, während der Sopran klagt, eröffnen sich mit einem Mal Blicke in Ungeahntes. So wäre es vor allem die Musik, die die Inszenierung zusammenhält. Sie präsentiert sich aus einem Guss. Thomas Bönisch gibt seinem Purcell von Anfang an die Sporen. Gesangssolisten, Kammerorchester St. Anna Bardenfleth und Kleiner Cäcilienchor Oldenburg befleißigen sich mitreißender Schärfe, die dank durchdachter klangfarblicher Balance vielschichtig allem Kontur gibt: dem entfesselten Treffen der Hexen ebenso wie dem elegischen Ende. Ute Biniaß singt eine große Dido, Sharon Starkmann legt eine begeisternde Zauberin hin. Zum Schluss steht Markus Wulf allein auf der

Bühne und löscht die letzte Kerze. Stille. Dann bricht der Beifall los.

Karten: 0441/164 64

Infos: www.figurenoper.de