OLDENBURG - OLDENBURG - Es tropft und rinnt, spritzt und platscht, gurgelt und gluckst, mal leise und konzentriert, mal heftig und rhythmisch. Wenn Axel Fries und seine beide Percussion-Kolleginnen in ihre Plastikbottiche greifen und in 50 Liter Wasser herumwirbeln, sieht das zwar auf den ersten Blick wie ein großer Abwasch aus, ist jedoch bühnenwirksamer Bestandteil eines Theaterabends. Die fremdartigen Klänge, die mit Wasser, Papier, Keramik und Steinen erzeugt werden, hat der chinesisch-amerikanische Komponist Tan Dun in seiner Oper „Tea“ eingesetzt, die morgen im Oldenburgischen Staatstheater ihre deutsche Erstaufführung erlebt.
„Das ist schon eine ziemliche Plantscherei“, räumt Fries ein. Oft würden nicht nur Arme und Kleidung nass, sondern auch die Noten durchtränkt. Für einen Profi wie ihn – er ist Gast-Schlagzeuger des Staatsorchesters und hat einen Lehrauftrag an der Universität Oldenburg – ist diese Art der Klangerzeugung aber nichts Ungewöhnliches: „Schlagzeuger machen die verrücktesten Sachen.“ Und so rascheln die drei Percussionisten auf der Bühne des Großen Hauses auch mit feinstem Japanpapier, zerreißen es, schlagen auf Blumentöpfe aus dem Baumarkt ein und auf meterlange Papierbahnen. Alles „sehr delikate Klänge“, erläutert Fries, die Tan Dun konsequent, aber minimalistisch verwende.
Die Opernpremiere ist aber nicht nur wegen ihrer fernöstlichen Geräuschkulisse ein besonderes Ereignis für das Staatstheater. Mit Tan Dun ist wohl erstmals im Spielplan ein Oscar-Preisträger vertreten: Der Crossover-Komponist erhielt die Auszeichnung für seine Filmmusik zu Ang Lees Leinwandepos „Tiger & Dragon“. Dass seine Oper einem Getränk gewidmet ist, macht die Sache noch ungewöhnlicher. Ostfriesen allerdings sollten sich nicht zu früh freuen: Erstens geht es ausschließlich um grünen Tee und zweitens um die Philosophie der dahinter steckenden Zeremonie, um den Geist des Zen.
Klingt abgehobener, als es ist, denn um das rituell gefeierte Getränk rankt sich eine unglückliche Liebesgeschichte. Seikyo liebt die Prinzessin Lan, gerät aber mit deren Bruder aneinander. Die beiden können sich nicht darüber einigen, welches das echte „Buch des Tees“ ist und überziehen sich gegenseitig mit Todesdrohungen. Am Ende stirbt aber keiner der Männer, sondern die Frau, die sich in ihren Kampf einmischt und versehentlich getroffen wird.
„Da ist ganz viel Oper drin“, sagt Regisseurin und Musikdramaturgin Anke Hoffmann – ein bisschen „Macht des Schicksals“, ein wenig „Zauberflöte“, auch etwas von „Tristan und Isolde“, aber auch von „Turandot“. Und streckenweise klinge Tan Dun etwa so, „als ob Puccini heute Filmmusik komponieren würde“. Angst müsse man davor also nicht haben, die Oper sei weitgehend tonal komponiert und die Percussion-Klänge im Orchester integriert.
Anke Hoffmann inszeniert „Tea“ als optisch eindrucksvolles Märchen, gruppiert die drei Schlagzeuger auf der Bühne um eine Spielfläche herum, die sich durch farbige Papierbahnen in verschiedene Räume aufteilt. Für die Kostüme hat sich Ausstatterin Heike Scheele vom Fernen Osten inspirieren lassen. Der finale Kampf wird mit Kung-Fu-Schwert und japanischer Katana ausgefochten.
Und passend zum Anlass gibt’s bei der Premierenfeier auch Tee – aber nur grünen.
Die Oper „Tea“ von Tan Dun hat heute um 19.30 Uhr im Großen Haus des Staatstheaters Premiere. Karten: Tel. 0441/22 25 111.
