OLDENBURG - Dauerregen, voll gelaufene Keller, Überschwemmungen, brechende Deiche – wen schocken solche Meldungen noch, die uns fast täglich über die Medien erreichen. Den Polier Rudi Nowak (Norbert Pfeiffer) bewegen sie doch immerhin dazu, dass er sich aus seinem Dachstuhl notdürftig ein Floß zimmert. Klar, dass die Nachbarn ihn für einen Spinner halten. Aber dann hört der Regen tatsächlich nicht mehr auf, der Pegel steigt und Nowak schippert los. Zusammen mit ein paar Goldfischen, seiner Frau Hertha (Rita Martens), Sohn Georg (Cay Hendryk Meyer), Onkel Franz (Dieterfritz Arning) und seinen missgünstigen Nachbarn, den Pokrantz (Annegret Peters und Heinz Backhus).
Das Floß ist keine Arche und Nowak ist nicht Noah. Und so kommt es in der skurrilen Komödie „De Arche Nowak“, die das Oldenburgische Staatstheater jetzt im Kleinen Haus zeigt, auch ganz anders als in der Bibel. „Nowak ist ein kleinbürgerlicher Ignorant, der sich selbst der Nächste ist, während die anderen um ihn herum ertrinken“, erläutert Regisseur Michael Uhl, der seit „Geesche Gottfried“ etliche Stücke zusammen mit dem Ensemble der August-Hinrichs-Bühne erfolgreich in Szene setzte und leitender Regisseur des Niederdeutschen Schauspiels ist.
„De Arche Nowak“ ist eine absurde Weltuntergangsfarce mit Schrebergarten-Flair. Ihre Tragödie besteht darin, dass die Welt untergeht und es kein Mensch merkt. „Der Mond fliegt ihnen um die Ohren, und sie glauben immer noch, die Naturgewalten unter Kontrolle zu haben“, sagt Uhl. Ihren Irrglauben schöpfen die Floß-Bewohner vor allem aus den Medien, die die Apokalypse klein reden. Eine Reporterin (Birgit Heim) versichert der untergehenden Menschheit überzeugend, dass die Politik ein baldiges Ende des Regens zugesagt habe.
Fernseher, die auf der Bühne im Kleinen Haus installiert sind, und das Radio sind die einzigen Kontakte nach draußen. Auch für das Publikum. So hört es auf der einen Seite die fast alltäglichen Nachrichten über eine Naturkatastrophe. Gleichzeitig sieht es, wie die Schrebergarten-Gesellschaft in einer Flut aus Hochmut und Abgestumpftheit untergeht.
Der Wiener Autor Erich Sedlak (63), dessen Werke bekannt sind für Humor und Satire, hat „Die Arche Novak“ geschrieben. Im Mai dieses Jahres erlebte das hochdeutsche Stück seine Uraufführung im Allgäu. Cornelia Ehlers, Dramaturgin am Staatstheater, hat die Komödie (80 Minuten ohne Pause) jetzt vom Österreichischen Schmäh befreit und, passend zu Oldenburg, ins Niederdeutsche übersetzt.
