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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Außerirdischer hilft kleinem Mädchen

30.04.2018

Oldenburg Lisa ist acht. Entschuldigung! Fast neun, ruft Lisa. Lisa schläft in einer Höhle, die wie die Kapsel eines Raumschiffs aussieht und auf Stelzen in die Exerzierhalle des Staatstheaters gebaut wurde.

Das wird später eine Rolle spielen. Denn Lisa schmökert gern in Astronomiebüchern. Sie träumt sich weg. Sie ist eine bedrängte Außenseiterin – die Eltern öde (weil arbeitslos), die Wohnung öde (weil ärmlich), der Schulweg öde (weil andere Kinder sie fies quälen), die Schule öde (weil selbst die Lehrerin sie fertigmacht). Da sehnt man sich nach Freude, Kuscheln, einem Kumpel. Es darf auch ein Außerirdischer sein.

Sibylle Bergs Kinderstück „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ erzählt in 70 rasanten Minuten von einem klugen Mädchen, das Nähe, Verwandtschaft, Liebe sucht. Und überall auf Ablehnung stößt.

Fütterung der Eltern

Regisseurin Katharina Birch hat das Drama feinfühlig und nie oberlehrerhaft mit einer putzmunteren Rebecca Seidel in Szene gesetzt. Die Hauptdarstellerin erinnert in ihrem Jungmädchen-Charme an Pippi Langstrumpf. Tatsächlich gibt es was zu lachen in diesem manchmal traurigen Schauspiel für alle ab acht Jahren.

Zum Beispiel die Eltern. Franziska Werner und Johannes Schumacher hängen in potthässlichen Bademänteln zu blöd auf dem Sofa rum. Ihre Tochter nehmen sie kaum wahr, dabei managt die den Laden, geht einkaufen oder pünktlich zur Schule und versucht immer wieder eine Aufmunterung. Lustig ist die Fütterung der beiden Schlaffis durch Lisa, meist mit Pizza. Aber die Eltern packen sonst fast nichts, hocken einfach nur traurig rum. Aus ihren Augen spricht nur ein dämliches „Häh?“

Wo es Eintrittskarten gibt

Eintrittskarten für Sibylle Bergs Kinderstück „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ in der Exerzierhalle (Pferdemarkt) des Oldenburgischen Staatstheaters gibt es unter: Telefon 0441/22 25 111  

Alle NWZ-Kritiken unter:

www.nwzonline.de/premieren

Oder die fiesen Jungs vom Spielplatz, auch von Franziska Werner und Johannes Schumacher gespielt. Mal eben in andere Klamotten und ein anderes Gesicht aufgesetzt und – rums – schon haben die beiden die Lisa gepackt und kopfüber in die Abfalltonne gesteckt. Nicht die feine Art.

Auf der Bühne der robusten Exerzierhalle kommt man mit wenigen Utensilien, im Grunde null Umbaupausen, flotter Musik und feinen Lichtspielen aus. In keiner Sekunde wird es langweilig, und nicht nur die Kinder schauen gebannt zu.

Die Geschichte wird immer klar von souveränen Lisa oder einem Erzähler aus dem Off erzählt. Es spricht für die Regie und für das Stück, dass Lisas Zurücksetzung nicht nur düster oder albern ausfällt. Irgendwo dazwischen erleidet Lisa ihr Drama – bis eben mit Klaas Schramm in komisch kurzen Hosen ein Außerirdischer im Vorgarten landet (man denkt ein wenig an Alf). Der hilft mental und real, und prompt mutiert die Außenseiterin durch die Tipps ihres ziemlich seltsamen Freundes Walter zur selbstsicheren Person, die ihr Leben verbessert, indem sie sich verändert.

Das Große Glück

Ein hübscher Wandel. Der wird am Ende noch märchenhaft durch das Glück aller überzuckert. Das konterkariert ein wenig den Sinn des Stücks, das ja andeuten will, das man in kleinen Schritten große Probleme angehen kann? Nun, wer will schon was gegen das große Glück sagen? Das wäre so, als würde man Schoko-Eis kritisieren, weil es lecker schmeckt.

Kinder und Eltern klatschten gleichermaßen begeistert. Als man rauskam schien auch noch die Sonne.

Das passte.

Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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Staatstheater Oldenburg

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