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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Mein Freund, die Maschine

08.09.2018

Oldenburg Alter hat ein Problem, denn irgendwie möchten die Menschen nicht mehr so recht an ihn glauben. Sie beschäftigen sich nur noch mit ihren Smartphones, die Technik spielt eine immer größere Rolle. Dabei hat Alter sie doch alle erschaffen und denkt sich Geschichten aus, die auf der Welt passieren.

Eine davon dreht sich um das Mädchen Lilith. Sie ist fieberhaft auf der Suche nach einem Partner und bestellt sich daher den Maschinenmenschen David – der allerdings relativ schnell ein Eigenleben entwickelt. Und scheinbar läuft – ganz zu Alters Leidwesen – nichts so, wie er es geplant hatte.

Mit viel Humor

Regisseur Marc Becker schafft es, mit seinem Jugendstück (ab elf Jahren) „!Knall! – Wasnlosalter“, humorvoll auf Missstände in der Gesellschaft hinzuweisen. Vor voll besetzten Reihen erzählen die drei Darsteller Agnes Kammerer (Lilith), Fabian Kulp (Alter) und Jan Breustedt (Frikadelli, Knabbermann und David) bei der Premiere in der Oldenburger Exerzierhalle in 75 pausenlosen Minuten eine Geschichte über künstliche Intelligenz, Glaube und Sehnsucht, die sowohl kind- als auch erwachsenengerecht aufbereitet ist.

Das Stück schafft es, nicht ins Lächerliche abzudriften, aber auch nicht zu ernst zu sein – Becker produziert Theater für Klein und Groß.

Eigentlich scheint David der ideale Freund für Lilith zu sein. Er ist programmierbar, lernt dazu, macht Komplimente, wenn man sie hören möchte, tanzt, erzählt Witze oder ist auf Wunsch einfach still. Hat Lilith keine Lust mehr auf ihn, schaltet sie ihn aus. Tatsächlich scheint sie nach einer Weile etwas für David zu empfinden – ganz zum Missfallen von Alter, der immer wieder stichelt.

Das Stück lebt vor allem von seinen emotionalen Charakteren und dem Wortwitz. Da wäre der leicht durchgeknallte Erfinder und Zauberer Alter, der insgeheim nach Anerkennung lechzt. Er streitet sich nur zu gern mit der technikbegeisterten Lilith, die alle sozialen Kanäle mit „wichtigem“ Inhalt bespielt – allen voran Videos, in denen sie Orangensaft mit einem blauen Strohhalm trinkt. Bei Jan Breustedt ist die Frage berechtigt, ob da wirklich eine Maschine steht oder doch ein Mensch.

Stimmig sind auch die Kulisse und Kostüme (Sandra Münchow) sowie das Spiel zwischen Musik (Peter M. Glantz), Licht (Mandy Waldi) und Ton (Olaf Brunkhorst) – sie hauchen der Maschine Leben ein. An einer mit Graffiti versehenen Wand hängt ein Klo, inmitten der Bühne liegt ein riesiger Felsbrocken – die Ursache für den Knall.

Zum Nachdenken

Nach unterhaltsamen 75 Minuten bleibt im Kopf, dass Liebe sich nicht erzwingen lässt, das Leben nicht planbar ist und sich jeder auch mal abseits aller Technik Zeit für sich nehmen sollte.


Alle NWZ-Kritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Sabrina Wendt
Redakteurin
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2042

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