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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere In Oldenburg: Gefühlvoll und grotesk –Barocke Oper im Doppelpack am Staatstheater

02.09.2019

Oldenburg „Venus und Adonis“ von John Blow und „Dido und Aeneas“ von Henry Purcell sind zwei herausragende durchkomponierte Opern aus dem höfischen London der 1680er Jahre. Purcell war zeitweise Schüler von Blow, sie standen in regem Austausch und ihre beiden Opern sind ganz offensichtlich stilistisch und thematisch sehr ähnlich. Was lag also näher, aus den beiden dreiaktigen Werken am Oldenburger Staatstheater eine runde, kompakte, abendfüllende Einheit im Unterschiedenen zu schmieden?

Selbstverständlich gibt es im Kulturbetrieb allerlei willkürliche Reihungen und erpresste Versöhnungen, aber diese Doppelpremiere – „Venus und Adonis“ vor der Pause, „Dido und Aeneas“ nach der Pause – wirkte musikalisch und stilistisch wie aus einem Guss. Die sinnfällige Bühne mit dem zentral stehenden Liebesnest und auch die Kostüme, die das Erhabene und Zeitlose der Situation herausstrichen (Stefan Rieckhoff), die musikalische Leitung im Orchestergraben (Thomas Bönisch) und vor allem die auf jede Einzelszene wie auf das große Ganze peinlichst genau achtende Inszenierung von Tobias Ribitzki erzeugten einen Sog, wie wir es vom gut gemachten Kinofilm kennen: Mittendrin statt nur dabei.

Bühne, Kostüme, Sänger und natürlich auch das Staatsorchester unter der Leitung von Thomas Bönisch blieben vor und nach der Pause gleich. Gleich blieb aber auch das Thema des Abends: Die Liebe – und hier die Liebe einer großen Frau. Ob die Göttin Venus nach Auskunft der „Metamorphosen“ des Ovid sich in den schönen Sterblichen Adonis unsterblich verliebt und nach seinem tragischen Jagdunfall nicht mehr unsterblich sein will, oder ob Karthagos frisch verwitwete Herrscherin Dido dem aus dem brennenden Troja geflohenen Helden Aeneas doch noch, wie es Vergils „Aeneis“ erzählt, gegen Konvention und erstes Sträuben, ihre Liebe schenkt: die Liebe hat etwas Transzendierendes und Absolutes.

Wer sich ihr ausliefert, der ist jederzeit in Gefahr, zerbrochen zu werden. Beide Opern exponieren die an Würde, an Macht und an Gefühlen große Frau. Ann-Beth Solvang ist hier die richtige Besetzung, die gestisch und vor allem auch stimmlich in der Lage ist, dem Sturzbach der Gefühlsregungen glaubhaften Ausdruck zu verleihen.

Ganz am Ende des Abends, kurz vor den minutenlangen Ovationen, singt sie, als Sahnehäubchen der Premiere, eine der berühmtesten Arien der Operngeschichte, Didos „Lamento“. Da hat sie schon ganz ungefährdet, zusammen mit einem wirklich in sich stimmigen Solisten-Ensemble, den ganzen Abend nach Hause gefahren. Neben der großen Frau wirken die anderen Charaktere, selbst die Liebhaber Adonis und Aeneas (stimmlich angenehm von Leonardo Lee) ein wenig zweitrangig. Das ist in den beiden Opern zwar angelegt, wird aber durch die Spielfreude mehr als wettgemacht. Erica Back als Cupido brachte die burschikos-schelmische Sicht auf die Liebe zu Gehör, Martyna Cymerman als Schäferin und Belinda sowie Melanie Lang als böse Zauberin setzten starke stimmliche Ausrufezeichen.

Auch Scherz und Groteske kamen nicht zu kurz: Paul Brady war ganz in seinem Element, als er neben zwei Männerrollen auch noch die 2. Hexe singen und spielen durfte. An der Ernsthaftigkeit der durchdachten Doppel-Inszenierung ist nicht zu zweifeln. Diese englische Barockoper (mit deutschen Untertiteln) im Doppelpack hat das Zeug, auch außerhalb von Oldenburg Eindruck zu machen.

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