OLDENBURG - OLDENBURG - Die junge Blanche (Anja Metzger) ist ein traumatisiertes Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Die Oper „Les Dialogues des Carmélites“ (Die Gespräche der Karmeliterinnen) spürt Blanches verletzte Seele auf. Leise und ruhig sei das Werk von Francis Poulenc (1899-1963), sagt Regisseur Jörg Behr: „Ein sinnliches Musikgewebe.“
Kein französisches Wort, keine Note hat Behr (34) in Poulencs Werk geändert, das auf einer wahren Begebenheit beruht, nach der 16 Karmeliterinnen in der französischen Revolution um 1789 zum Tode verurteilt wurden. Für ihren Glauben gingen sie singend zum Schafott.
Die deutsche Schriftstellerin Gertrud von Le Fort machte daraus 1931 die Novelle „Die Letzte am Schafott“, die der Dichter Georges Bernanos wiederum für sein Theaterstück als Vorlage benutzte. Als der Komponist Poulenc dann den Auftrag zu einem Werk für die Mailänder Scala erhielt, war er zunächst skeptisch: Eine Oper ohne Liebeshandlung? In einer Buchhandlung habe der Komponist zufällig die Novelle entdeckt, so Behr: „Gläubig, wie Poulenc war, hielt er es für einen Wink des Schicksals.“
Er komponierte für seine Zeit (1957) ungewöhnlich tonal, was ihm den Vorwurf einbrachte, altmodisch zu sein. „Er hat die Musik natürlich bewusst gewählt – sie geht unter die Haut“, erläutert Dramaturgin Anna Melcher.
Den politischen Hintergrund der französischen Revolution hat Behr zu Blanches persönlichem Trauma gemacht. Die Mutter ist bei der Geburt gestorben. Der Vater benutzt sie als Geliebte. Aus der Männerwelt flüchtet die junge Frau gedanklich in die behüteten Mauern eines Klosters. Doch auch hier muss sie sich ihren Ängsten stellen.
