OLDENBURG - Abenteuerliches trägt sich im Oldenburgischen Staatstheater zu. Das Mädchen Olga hat ihre Nase zu tief in ihr Lieblingsbuch „Die Segel des Todes“ gesteckt. Gerade lag sie noch zuhause in ihrem Bett. Jetzt kauert sie verängstigt auf den Schiffsplanken der „Hinkenden Seekuh“, die vom fiesen Kapitän Braunbart gesteuert wird.

Doch keine Sorge. Die Geschichten-Retterin Jenny Hübner steht bereits breitbeinig auf der Bühne des Spielraums, um mit dem Temperament eines Indiana Jones einzugreifen.

„Jenny Hübner greift ein“ von Hartmut El Kurdi ist ein Solostück für junge Menschen ab acht Jahren. Gast-Schauspielerin Wibke Quast (28) füllt darin neun verschiedene Rollen aus. Der fliegende Wechsel zwischen cooler Abenteurerin, verängstigtem Mädchen, fiesen Piraten, stotterndem Schiffskoch und quiekender Ratte gelingt ihr großartig.

Mit spielerischer Leichtigkeit wechselt sie Stimmlage, Sprache und kleine Requisiten – hier ein Halstuch als Küchenschürze, dort ein Regenschirm als Degen.

Die niederdeutschen Passagen sind das Besondere an dieser Inszenierung. Die Oldenburger Regisseurin Gudrun Oeltjen-Hinrichs zeichnet für Übersetzung und Regie verantwortlich. Sie lässt die Erzählerin Jenny Hübner und das Mädchen Olga hochdeutsch sprechen, während die Piraten platt snacken. Beide Sprachen halten sich in etwa die Waage.

Grundsätzlich sind Bemühungen, Kinder spielerisch fürs Niederdeutsche zu begeistern, immer lobenswert. Nur darf man nicht vergessen, dass Platt langsam aus dem Alltag verschwindet und für die meisten Kinder fremd und unverständlich klingen dürfte.

Besonders gegen Ende des Stückes, wo ganze Dialoge in plattdeutscher Sprache vorgetragen werden, hängt die Sprachlatte ziemlich hoch. Schulen, die das Stück zu sich ins Klassenzimmer holen, sollten ihre Schüler also im Unterricht darauf vorbereiten.

Das im Programmheft abgedruckte Piraten-Abc ist dafür eine gute Grundlage und kommt zudem bei Kindern super an.

Die (leider wenigen) kleinen Zuschauer im Staatstheater kümmert es bei der Premiere wenig, dass sie nicht jedes Wort verstehen. Sie sind viel zu beschäftigt. Gleich zu Beginn müssen Till (7) und Wilke (8) eine Stoff-Flagge hochhalten, auf der ein „Piraten slaap leeed“ steht, das das Publikum im Chor anstimmt. Zwei andere Kinder lassen sich ihre Beine spielerisch fesseln, bevor die ganze Meute im Spielraum einen Zauberspruch brüllt.

Karten: 0441/22 25 111.

Für Buchungen des gesamten Stücks: 0441/22 25 345.

Lesen Sie alle NWZ -Theaterkritiken: www.NWZonline.de/theater