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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Lustige Seitensprünge garantiert

12.10.2018

Oldenburg Als „Orpheus in der Unterwelt“ von Jacques Offenbach 1858 in Paris seine Uraufführung erlebte, da war diese witzige Persiflage auf Oper, Götter und Bildungsbürger ganz am Zeitgeist des bourgeoisen Paris orientiert. Erst später wurde dieser Zwitter aus Oper und Tanz „Operette“ genannt und das Genre-Vorbild für alles, was dann noch kommen sollte.

Die Oldenburger Premiere der Neuinszenierung von Felix Schrödinger am Mittwochabend im Kleinen Haus denkt diesen Ansatz ganz konkret weiter: Die mythologischen Gestalten aus der griechischen Sage heißen bis auf das griechische Titel-Pärchen weiterhin wie die römischen Götter von Jupiter und Ehefrau Juno über die Kinder- und Verwandtenschar bis hin zum missliebigen Bruder Pluto, der der Chef der Unterwelt geworden ist. Und wir befinden uns im Jahr 2018. Das Promi-Pärchen Orpheus und Eurydike führt eine Ehe auf Abwegen. Er, von seiner Ehefrau liebevoll und treffend als „David Garrett für Arme“ bezeichnet (Timo Schabel ist in dieser Aufmachung kaum wiederzuerkennen), hat Seitensprünge, seine Frau trifft sich mit Aristeus, der sich als Höllengott Pluto entpuppt.

Der Witz am Spiel mit den wirklichen Tendenzen der Gesellschaft, hier dem Social-Media-Wahn, ist der heuchlerische Umgang mit der Wirklichkeit. Da sind sich 1858 und 2018 sehr nah. Ging es damals im Takt der Klatschspalten von Zeitungen, so ist die heutige personifizierte öffentliche Meinung (sehr präsent und dominierend Melanie Lang) viel schneller: Es geht um Likes und Follower und um Fake News, Aufstieg und Fall von B- und C-Promis.

Die eingeblendeten Tweets konterkarieren witzig das Geschehen auf der Bühne und überdrehen die Persiflage manchmal ins Groteske. Im olympischen Himmel, auf der marketingverseuchten Erde und in der Hölle regieren die Angst, negativ ins Gerede zu kommen. Die, die arbeiten – vor allem das mit dem nötigen Schwung aufspielende Orchester unter der Leitung von Carlos Vásquez – sind unsichtbar, versteckt hinter einem Vorhang. Das, was im Rampenlicht geschieht, ist die Inszenierung von Vergnügungssucht, Frivolität, Dekadenz und Lifestyle.

Das überzeugte 1858 und das überzeugt auch heute. Die Inszenierung geht mit den mythologischen Witzfiguren liebevoll und genau um, die Choreografien im Himmel und vor allem die rasante Party in der Hölle sitzen. Der wenigstens stimmlich Respekt einflößende Göttervater (Jason Kim) ist als Asterix gestylt, sein Gegenspieler Pluto, gespielt und gesungen von einem starken Paul Brady, dem man den tätowierten Höllenfuchs glatt abnimmt, kommt noch am besten weg bei diesem Reigen an Heuchelei und Verlogenheit im Himmel, auf Erden und vor allem in der Hölle, wo der berühmt-berüchtigte Höllen-Cancan zu noch mehr Gier nach Spaß führt.

Stimmlich sind die Figuren eher nicht herausgefordert. Nur Eurydike (Martha Eason) ist gezwungen, während sie auf dem Bühnenboden liegt und der Göttervater ihr in Gestalt einer Fliege beiwohnt, Koloratur zu singen. Das wurde vom minutenlang enthusiastisch klatschenden Publikum belohnt.


Alle NWZ-Kritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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Eurydike | Staatstheater Oldenburg | Kleines Haus

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