OLDENBURG - Jugendtheater funktioniert nur, wenn man eine wirklich gute Geschichte zu erzählen hat. „Haram – die Geschichte einer marokkanischen Familie“ sei so eine, sagt Regisseurin Julia Wissert. In der Exerzierhalle des Staatstheaters setzt sie das Jugendstück für Menschen ab zwölf Jahren in Szene.

Die Protagonisten sind die Geschwister Houari, Aziza und Saïd. Wie jedes Jahr machen sie mit den Eltern Ferien in Marokko. Doch diesmal fährt der Vater allein zurück nach Oldenburg und lässt die drei bei der Mutter, damit sie eine islamische Erziehung erhalten – zum Entsetzen der Kinder.

Der holländische Autor Ad de Bont schrieb 2007 „Haram“ (d.h. Schande), das den Islam kontrovers beleuchtet. „Die Kinder sind überall dazwischen“, interpretiert Julia Wissert: „Nicht nur zwischen Oldenburg und Marokko, auch zwischen Eltern und Freunden, zwischen Kindheit und Erwachsenwerden.“

Ganz nah holt die Regisseurin die jungen Zuschauer an das epische Schauspiel heran, indem sie sie auf drei Seiten direkt vor die Bühne setzt. „Sie sollen nicht wie im Fernsehen einfach nur zugucken. Ich möchte, dass sie riechen, fühlen und schmecken, was hier passiert.“

Aus demselben Grund lässt Julia Wissert, die mit „Haram“ ihre erste Regiearbeit am Staatstheater abliefert, die drei Schauspieler inmitten des Publikums spielen. Michael Pietsch, Juliana Djulgerova und Eike Jon Ahrens übernehmen sämtliche Rollen. Sie spielen Kinder, Eltern, Tante, Onkel und Großmutter.

Anton Berman hat die Musik zum Stück komponiert. „Orientalische Elemente mit westlichen Beats“, beschreibt Wissert die „laute Partymusik“. Die Bühne in der Exerzierhalle stammt von Sandra Materia. „Eine Mischung aus Sand und Küchenfliesen mit Erinnerungselementen“, so die Regisseurin.

Sie selbst hat einen brasilianischen Vater und weiß, wie es sich anfühlen kann, dazwischen zu stehen. Damit ist sie nicht die Einzige im Team. Die Bühnenbildnerin ist mit Italien verbunden, der Musiker mit Russland, die Schauspielerin mit Bulgarien. „Wir sind ein bunter Mix aus Nationalitäten“, sagt sie und lacht: „Aber wir selbst sehen uns ja nicht von außen – das sehen nur die anderen.“