OLDENBURG - Cardillac ist ein Künstler, der sich aus der Gesellschaft zurückgezogen hat. An einen Ort, wo er in Ruhe Kunstwerke erschaffen kann. Die ehemalige Flugzeughalle, jetzt Wahlheimat des Staatstheaters, könnte so ein Ort der Abgeschiedenheit sein. Genau hier feiert die Oper „Cardillac“ von Paul Hindemith Premiere.
Die Gesellschaft, deren Gesetzmäßigkeiten sich Cardillac zu entziehen versucht, verkörpert der Opern- und Extrachor des Staatstheaters. „Der Chor ist der große Gegenspieler zu Cardillac“, erläutert Regisseur Sebastian Ukena, der schon „Die Welt auf dem Mond“ in Szene setzte. In festlicher Abendkleidung fällt die Menge wie plündernde Tiere über Cardillac und seine Kunstwerke her, missversteht den extremen Schöpfergeist als Popstar und zerstört so seine Schaffenskraft.
Paul Hindemith (1895- 1963) legte Cardillac als Goldschmied an, basierend auf der Novelle „Das Fräulein von Scuderi“ nach E.T.A. Hoffmann. Regisseur Sebastian Ukena interpretiert Cardillac vor allem als „Menschen mit einer besonderen Kraft und Aura. Jeder möchte von dieser Leuchtkraft eine kleine Sonne mit nach Hause nehmen“.
Den Wert eines Kunstwerkes bemesse man oftmals nach seinem Preis, sagt Ukena. So auch hier. Die Schöpfungen von Cardillac kosten nicht nur viel Geld, sondern deren Besitzer auch das Leben. Wer ist der Mörder? „Und vor allem warum?“, will Sebastian Ukena verdeutlichen.
„Ohne marktschreierische Modernisierung“ holt Ukena die Oper behutsam aus dem Paris des 17. Jahrhunderts ins Heute. Auf der riesigen Bühne der Halle 10 hat Bühnenbildner Stephan Mannteuffel einen Schutzraum konzipiert. Inspirieren ließ er sich dabei von der Kaaba, dem Heiligtum des Islam in Mekka. „Wir haben Bilder einer überfluteten Kaaba gesehen“, erläutert Ukena. Wasser symbolisiert in seiner Inszenierung Unschuld und Reinheit.
Die Musik von Hindemith, ein Wegbereiter zeitgenössischer Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts, beschreibt der Regisseur als spannungsgeladene Wechselbäder. „Große Schroffheit und Lautstärke wechseln ab mit zarten, lyrischen Arien“, sagt er: „Es ist eine schöne Musik, wie man sie von 1926 vielleicht nicht erwartet. Aber sie geht genauso ins Herz wie Puccini.“ Johannes Stert obliegt die musikalische Leitung. Es singen und spielen: Peter Felix Bauer, Mareke Freudenberg, Vincent Wolfsteiner, Andrey Valiguras, Daniel Ohlmann, Valérie Suty und Paul Brady.
