OLDENBURG - „Die Welt auf dem Mond“ ist eine Oper von Joseph Haydn, die 1777 uraufgeführt wurde. Über 200 Jahre später, 1995, schrieb Günter Steinke mit dem Librettisten Wolfgang Deichsel für die Staatsoper Stuttgart eine neue Fassung, schlanker und moderner. Steinkes „Welt auf dem Mond“ feiert jetzt im Kleinen Haus des Staatstheaters Premiere.

„Die Sänger singen brav Haydns Gesangspartien“, erläutert Regisseur Sebastian Ukena, „aber der Musik hat Steinke eine innere Ebene hinzugefügt.“ So sei eine Art Seelenmusik entstanden, die durchaus humorvoll und mit einem Augenzwinkern Haydns Komposition begegne. „Je weiter man sich dem Mond nähert, desto abgefahrener ist die Musik“, sagt Ukena, der seit 2008 Regieassistent am Staatstheater ist. Viel Schlagzeug und eine Pianistin, die an den Saiten ihres Flügels zupft, sind Beispiele der futuristischen Klangwelt. Das Staatsorchester (Leitung: Thomas Dorsch) sitzt dabei auf der Seitenbühne im Kleinen Haus.

Im ersten Akt lässt Sebastian Ukena, der in Hamburg Musiktheaterregie studierte, die Situation auf Erden kurz und konkret erzählen: Astradamus liebt Clarice und Ernst liebt Flaminia. Man lebt in bürgerlichen Verhältnissen der 1960er Jahre. Vater Bohnsack hat die Hosen an, und ihm passt die Wahl seiner Töchter ganz und gar nicht. Überdies macht er dem Kindermädchen Lisetta, das in Chicco verliebt ist, das Leben schwer, weil er Lisetta für sich haben will.

Der mephistophelische Astradamus greift zur Tücke und gaukelt dem alten Bohnsack vor, auf dem Mond sei alles besser. Und so spielt der zweite Akt auf dem fernen Erdtrabanten – im glitzernden und obszönen Hier und Jetzt.

„Der Mond ist ein Ort der Sehnsucht, ein Seelenraum, ohne Mondkrater und Sternenstaub“, so der 25-jährige Regisseur: „Mir ist wichtig zu zeigen, inwieweit Träume, wenn man sie lebt, der Realität Stand halten können.“ Selbst wenn die Wahrheit bitter sei, lasse sie doch Raum für echtes Gefühl, „das im irdischen Verkehrsgewühl so selten stattfindet“, ergänzt Sebastian Ukena.

Es singen, sprechen und spielen bei der Premiere Derrick Ballard, Sarah Papadopoulou, Lisa Carlioth, Verena Allertz, Daniel Ohlmann, Paul Brady und Thomas Burger.

Alle NWZ -Theaterkritiken unter www.NWZonline.de/theater