Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Premiere Von „das Haus Auf Monkey Island“ In Oldenburg Gescheiterte Strategen der Verführung

Oldenburg - Eines vorweg: Es geht um die Wurst, genauer: um Fleisch. Und gleich hinterher: Trotz solch abschreckender Ausdrücke wie hedonische Hyperphagie oder präfrontaler Kortex muss man kein Uni-Seminar besucht haben, um dieses Drama zu verstehen. Und das ist vielleicht das Starke an Rebekka Kricheldorfs Stück „Das Haus auf Monkey Island“, das jetzt im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters uraufgeführt wurde: dass es auch mal mit Forscherkauderwelsch jongliert, dass es hochkluge Leute zusammenführt – die aber auf ihren sehr menschlichen Kern zurückgeführt werden.

Private Biografien

Vier Wissenschaftler, zwei Frauen und zwei Männer, sollen auf einer Luxusinsel die ultimative Werbestrategie für In-Vitro-Fleisch entwickeln, also für Fleisch aus dem Labor. Einmal ist vom sauteuren Frankenstein-Schnitzel die Rede, nach dem man die Leute süchtig machen will. Dafür sind die vier in der Villa. Doch das Haus, auf der Bühne von Thea Hoffmann-Axthelm ein abstrakter, weißer drehbarer Kasten, entwickelt ein Eigenleben: Es erfüllt geheimste Wünsche. Sind die vier, die eine Verführungsstrategie entwickeln sollen, am Ende selbst Laboraffen auf Monkey Island?

Kooperation mit HWk – wo es karten gibt

Das Schauspiel „Das Haus auf Monkey Island“ von Rebekka Kricheldorf ist im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters zu sehen.

Einmal im Jahr schickt das Staatstheater ausgewählte Autoren an das Wissenschaftskolleg (HWK) in Delmenhorst, um sich vor Ort als sogenannte „Writer in Residence“ (in etwa mit einem Stadtschreiber vergleichbar) mit Wissenschaftlern auszutauschen. Während ihres mehrmonatigen Aufenthaltes am HWK kam die Autorin Rebekka Kricheldorf mit einer Neurobiologin in Kontakt, die ihr mit Rat und Tat bei ihrem Stück zur Seite stand.

Karten unter: t   0441/22 25 1 11

Regisseur Matthias Kaschig hat das Stück in 90 pausenlosen Minuten umgesetzt. Sehr geschickt werden private Biografien und allgemeine Manipulation verknüpft. Da ist zum Beispiel Hannes. Der langhaarige Brillenträger wirkt in seinem knittrigen Leinenanzug wie ein Hippie-Lehrer aus den 80er Jahren. Thomas Birklein grübelt als Soziologe und leise zur Klampfe darüber, warum trotz seiner Eigenanalyse alle seine Beziehungen scheitern.

Helen Wendt ist im Hosenanzug als Ann die intellektuelle Domina des Teams. Sie will strukturiert arbeiten, ähnlich wie Andre (Johannes Schumacher), der sich mit Sport stählt und den vollmotivierten Werbefuzzi gibt. Caroline Nagel wirkt als Biologin Kristina in ihren Gesundheitstretern wie eine eiserne Grüne, immer bereit, die Welt vor Unbill zu retten.

Mix der Mittel

Wieder und wieder und schön schnell wird im Schlagabtausch das große Thema Manipulation durchgetalkt – um am Ende bei persönlichen Problemen zu landen. Dabei entgleitet den Figuren die eigentliche Aufgabe. Sie treten auch mal an die Rampe und beichten ihre Lebensniederlagen.

Die Arbeitsgruppe wird zur Therapiestation. Die Fassade der Erfolgstypen bröckelt. Ann war früher fett und süchtig nach Chips? Schon baumelt, vom unheimlichen Haus gesteuert, eine Chips-Tüte aus dem Bühnenhimmel.

Der familiär gescheiterte Andre sorgt für einen Running-Gag: Immer wenn Knitter-Anzug-Hannes eine qualmt, schleicht sich Sport-Andre an, verlangt nach der Fluppe, schnüffelt nur daran und haut ab – ein Süchtiger kämpft gegen seine Sucht.

Der Mix der Mittel trägt zum Erfolg des Dramas bei. Da ist die leichte Komik, die Liebe als „temporären Hirnschaden“ sieht. Die Männer, nicht gerade eingefleischte Vegetarier, skandieren mal witzig „Wir wollen Wurst!“. Da sind kernige Videos eingebettet. Und da sind vor allem vier gute Schauspieler, die nachdenklich machendes Theater liefern. Das kann uns doch nicht Wurst sein.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Axel Homfeldt (CDU, links) geriet mit seinem SPD-Ratskollegen Detlef Kasig im Schortenser Stadtrat schwer aneinander.

EKLAT IN SCHORTENS Ratsmitglieder vergreifen sich schwer im Ton – Rücktritt gefordert

Oliver Braun Schortens
Interview
„KI wird nie die abschließende Entscheidung über die Qualität treffen“: Ludwig von Reiche, Geschäftsführer der Nvidia GmbH in Deutschland

VERANTWORTUNG BEI „KÜNSTLICHER INTELLIGENZ“ Nvidia-Chef fordert größere Transparenz bei KI-Anwendungen

Stefan Idel Büro Hannover
Interview
Olaf Lies (56, SPD) ist seit November 2022 Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung. Von 2017 bis 2022 war er Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz und in der Legislaturperiode zuvor von 2013 bis 2017 schon einmal Niedersächsischer Wirtschaftsminister.

BAUERNPROTESTE Warum Minister Olaf Lies Verständnis für die Landwirte hat

Ulrich Schönborn
Blicken gemeinsam in eine hoffentlich erfolgreichere Zeit: Baskets-Trainer Pedro Calles (links) und der derzeit verletzte Kapitän Max DiLeo (hier beim Spel bei der BG Göttingen im April 2023)

OLDENBURG SETZT IN KRISE AUF KONSTANZ Baskets bauen in Schwächephase auf Führungskräfte

Mathias Freese Oldenburg
Die Ratssitzung war – mit technischen Unterbrechungen – auch diesmal wieder im Livestream zu verfolgen.

WIEDER STREIT AUF RATSSITZUNG IN SCHORTENS „Glaube und Hoffnung“ und der übliche Krach

Oliver Braun Schortens