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Aktualisiert vor 29 Minuten.

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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Die Opfer werden zu Tätern

20.04.2019

Oldenburg Man könnte sofort meckern. Schon wieder ein Stück nach einem Roman! Schon wieder Literaturtheater! Schon wieder die Bühne frei für Lesemuffel! Als gäbe es keine Dramatiker mehr. Aber „Ellbogen“ ist in Oldenburg ein erstaunlich eigenständiges Drama nach dem gleichnamigen Roman von Fatma Aydemir. Und die Bühnenfassung von Jana Milena Polasek, die auch die Regie übernahm, kann sich sehen lassen. Wie im Fluge gehen die 90 pausenlosen Minuten in der Exerzierhalle des Staatstheaters vorbei.

Das Drama ist von der ersten Szene an ein einziger sprachlicher, gestischer, mimischer Wirbelsturm, wie ihn wahrscheinlich nur junge Frauen entfachen können. Hazal hat Mist gebaut. Katharina Shakina als Hazal hat geklaut. Na ja, eigentlich nicht: Sie hat, wie sie aufgeregt ausführt, nur vergessen zu bezahlen. Sie lachen? Aber bringen Sie das mal plappernd dem sturen Sicherheitsmann im Supermarkt bei. Und das kurz vorm 18. Geburtstag von Hazal. Und dazu noch bei superstrengen Eltern. Und bei der sowie schon miesen Perspektive als Deutschtürkin im Berliner Wedding.

Nein, da tritt keine Siegerin auf uns zu. Ratzfatz werden wir kopfüber in Hazals Probleme gestürzt. Und – das ist eine Stärke des Stücks – die dann auch Probleme bleiben. Von wegen heile Welt.

„Ellbogen“ ist ein Jugendstück, das die drei Schauspielerinnen Katharina Shakina, Rebecca Seidel und Veronique Aleiferopoulos in dauernder Bewegung meistern. Sie haben eine mächtige Kondition. Besonders am Anfang kehren sie Hazals Innenleben in drei verteilten Stimmen nach außen. Aber die drei sind auch Mutter, Tante, Vater und Freundinnen.

Die Bühne ist karg und hat nur eine Art Wohnkasten in der Mitte. Die Klamotten sind alltäglich. Wenn die drei erzählen, quasseln, berichten, klagen, lachen, rumrennen, im Chor sprechen und singen, dann wird jede Leere mächtig gefüllt. Heute ja schon obligatorische Videos, fetzige Musik, darunter von Rihanna, reichlich Getrappel, niedliches Mädchengequietsche in schwarzen Fummeln sowie eine eher heftige Sprache („hat man dem die Eier weggetreten?“) lockern tüchtig auf.

Im Zentrum steht die junge Hazal, die ihre Rolle in der Gesellschaft der Großstadt sucht – und feststellt, dass die Gesellschaft sie offenbar gar nicht haben will. Sie steckt in einer berufsvorbereitenden Maßnahme fest, wird aus Frust leicht aggressiv und will ihr tristes Dasein aufbessern. So kommt es in einer Partynacht zu einem furchtbaren Vorfall auf einem U-Bahnhof. Und schon wird Hazal auf ihre Herkunft und die Türkei zurückgeworfen.

Die Akteure, allen voran die sprudelnde Katharina Shakina, lässt die Regie bis zum Anschlag wirbeln. Sie halten sich einander, sie feiern die Welt und ärgern sich über die Welt. Sie sind Opfer und sie sind Täter. Und sie kitzeln Lacher hervor. Sei es beim gemeinsamen Wodka-Saufen, beim Reden über Jungs, beim Spielen mit einem Blechpapagei und beim Stylen für eine heiße Disco-Nacht.

Das ist fast schon zu nett? Keine Szene kann übertünchen, dass Hazal von uns mal sympathisch und mal mit Unverständnis wahrgenommen wird. Sentimental wird man darüber nicht, denn Hazals Bauch ist mit Wut, Scham und Angst gefüllt. Was bleibt, ist eine transkulturelle Tragödie. Und zwar eine sehenswerte.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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