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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wenn der Kasperl die Fee mit Cannabis rettet

19.11.2018

Oldenburg Hätte Wachtmeister Dimpfelmoser die Oldenburger Bühnenversion des Kinderbuchklassikers „Der Räuber Hotzenplotz“ am Sonntagnachmittag gesehen, wäre in ihm wohl ein Amtsschimmel Amok gelaufen: So bunt, so dynamisch und so voll zweideutigem Witz war die Inszenierung von Regisseur Ekat Cordes. Vor überwiegend minderjährigem Publikum im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters verbreitete die Premiere in allen Altersstufen gute Laune.

Selbst wer die Geschichte von Otfried Preußler nicht aus Kindertagen kennt, dürfte zumindest mit den typischen Kasperletheater-Protagonisten vertraut sein: Kasperl, Seppel, Großmutter, Dimpfelmoser und Hotzenplotz sind den meisten ein Begriff. Auf der Bühne erlebten die Zuschauer jedoch viel Überraschendes, auch wenn die Grundzüge der Original-Geschichte klar erkennbar waren.

Bunte und schrille Figuren

Inmitten einer im Schwarzlicht neongelb glänzenden Bühnenlandschaft überreichen Kasperl und Seppel ihrer Großmutter zum Geburtstag eine glitzernde Kaffeemühle. Die beiden haben optisch mit den klassischen Vorbildern nichts gemein, erscheinen wie Jugendliche aus einer grellen, leicht überdrehten Parallelwelt. Die Großmutter ist nicht weniger schrill: An ihrem Rollator hängen allerlei leuchtende und blinkende Gegenstände – und wenn sie an der Kaffeemühle dreht, ertönt ihr Lieblingslied: „Hänschen klein“ auf Speed.

Klaas Schramm als Räuber Hotzenplotz auf der Bühne des Oldenburger Staatstheaters. Bild: Stephan Walzl

Weniger bunt ist die Titelfigur: Räuber Hotzenplotz. Mit seiner Vokuhila-Frisur, den Seemannstattoos und seinem Kinn- und Backenbart erinnert er an einen modernen Hinterwäldler. Seine Ziele sind klar umrissen: „Klauen, Klauen, Klauen, Haben, Haben, Haben“, krakeelt er laut heraus, nur um kleinlaut sein Innerstes nach außen zu kehren: Denn dann erfährt der Zuschauer, dass ihn seine Mutter aus dem Haus geworfen hat – genau die Mutter, die er später noch per Telefon zu erreichen versucht.

Als Hotzenplotz Großmutters neue Kaffeemühle stiehlt, baut Kasperl eine Falle. Er tut dies, indem er wie wild an einer Kiste herum arbeitet, es fliegen ein Gummihuhn und ein Hammer durch die Gegend, am Ende verbindet er zwei Stecker und unter hämmerndem und sägendem Rascheln und Dröhnen hat Kasperl sein Werk vollbracht. Diese cartoonartigen Geräuscheffekte ziehen sich durch das gesamte Stück. So wird bei jeder Verwendung des Katzenfutters „Schnurri“ (das Kasper und Seppel dem Räuber auf die Spur kommen lässt), des Schnupftabaks „Nasentrost“ oder des Wunschrings am Ende ein Werbe-Jingle eingespielt, der vor allem die älteren Zuschauer lachen lässt.

„Nekrophilius“ lässt Kinder und Erwachsene lachen

Die jüngeren sind vor allem bei jeder Kasper’schen Verballhornung des Namens von Zauberer Petrosilius Zwackelmann begeistert – wobei der Vorname Nekrophilius wiederum nur den Eltern der Kinder etwas sagen dürfte. Auch das Zielpublikum der – Achtung, Wachtmeister Dimpfelmoser: Nicht hinhören! – Drogenanspielungen waren eher die Erziehungsberechtigten als deren Kinder: wenn Zwackelmann und Hotzenplotz eine „Linie ziehen“ wollen (und dabei von Schnupftabak reden) oder das Feenkraut eine verdächtige Ähnlichkeit mit einem Hanfblatt hat.

Listig: Kasperl (Alexander Osei, links) und Seppel (Rajko Geith) haben dem Räuber eine Falle gestellt. Bild: Stephan Walzl

Kasperl und Seppel kommen Hotzenplotz ganz wie in Preußlers Original auf die Schliche und werden von ihm gefangen genommen. Seppel bleibt beim Räuber, um das Klo zu putzen, Kasperl wechselt für eine Packung Schnupftabak in Zwackelmanns Schloss, um dort Kartoffeln zu schälen. Denn der Zauberer, dessen überlanger, blauer Zaubererhut Marge Simpson vor Neid vergilben ließe, liebt Pommes Frites.

Weil dieser sein Schloss aber in Richtung Buxtehude verlässt, schaut sich Kasperl in seinem „Gefängnis“ um, drückt alle verbotenen Knöpfe – kurzzeitig auch den, der den Weltuntergang aktiviert – und findet, nachdem er durch noch mehr verbotene Türen gegangen ist, die zur Unke verzauberte Fee Amaryllis, zu deren Rettung er ein bisschen Feenkraut in einen Münzschlitz wirft. Geholfen wird Kasperl dabei von der Computerstimme des Schlosses, einer Art Zwackelmann-Alexa – die dem Zauberer schließlich das Wort abschneidet und die automatische Pause für Zuschauer und Ensemble ausruft.

Schmacht auf Cheeseburger

Am Ende wird, wie es sich für ein Kinderbuch gehört, auch im Oldenburger „Räuber Hotzenplotz“ alles gut. Zwackelmann löst sich platzend in buntes Lametta auf, die Fee macht sich nach sieben Jahren Unkendasein erst mal auf die Suche nach einem Cheeseburger, und Hotzenplotz und alle Beteiligten besingen tanzend Großmutters Detektei, die den Fall gelöst hat – wozu Dimpfelmoser nicht in der Lage war. Der Wachtmeister verkündet dann auch, in Zukunft ein Fast-Food-Restaurant aufzumachen, weil auch er – wie der geplatzte Zwackelmann – ein Riesen-Pommes-Fan sei.

„Der Räuber Hotzenplotz“ läuft im Großen Haus des Oldenburger Staatstheaters noch bis zum 28. Dezember.

Tickets für „Räuber Hotzenplotz“ in Oldenburg gibt es auf der Seite des Oldenburgischen Staatstheaters.

Christian Schwarz
Redakteur
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2160

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