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Premiere Wo alle Hoffnung auf eine bessere Welt schwindet

Simone Wiegand

OLDENBURG - Um das bürgerliche Trauerspiel von Friedrich Schiller (1759-1805) „Kabale und Liebe“ kommen Schüler nicht herum. Wer 2013 Abitur macht, wird im Deutschunterricht den Liebenden Luise und Ferdinand definitiv begegnen. Das Oldenburgische Staatstheater zeigt es ab sofort auf der Bühne im Kleinen Haus. An diesem Donnerstag ist Premiere.

1784 wurde „Kabale und Liebe“ in Frankfurt uraufgeführt. Das Drama handelt von der ausweglosen Liebe zwischen dem adeligen Präsidentensohn Ferdinand (Henner Momann) und der bürgerlichen Musikertochter Luise (Kristina Gorjanowa). Deren Eltern wollen den gesellschaftlichen Standesunterschied um jeden Preis wahren. Ferdinands mächtiger Vater zögert nicht, mit einer Intrige die junge Liebe zu zerstören. Am Ende sterben nicht nur Ferdinand und Luise, sondern auch alle Hoffnung auf eine bessere Welt.

Fragt man Regisseur Jasper Brandis, warum Schillers Werk für junge Menschen von heute spannend sein kann, so antwortet er: „Das Stück ist ein Krimi über Ungerechtigkeit und Machtlosigkeit innerhalb gesellschaftlicher Strukturen. Das Gefühl junger Menschen wird hier widergespiegelt, dass sich ja sowieso nichts ändert, egal was man auch tut.“

Für seine Inszenierung will Brandis, der schon zahlreiche Stücke am Staatstheater in Szene gesetzt hat, die Kraft von Schillers Sprache nutzen. Die neun Schauspieler bewegen sich deshalb ganz nah am Text.

Nur ästhetisch rückt die Regie den Klassiker weg vom 18. Jahrhundert hin in eine surreale Albtraum-Welt. Dazu haben Saskia Louwaard und Katrijn Baeten eine Art Büroraum aus den 1960er Jahren entworfen, in dem sich die Figuren wie Gespenster bewegen. Vorangetrieben werden die Kabale, also die niederträchtigen Intrigen, hauptsächlich von Wurm (Denis Larisch), dem Sekretär des Präsidenten. Ihm geht es nicht nur um seine Karriere, sondern auch um Luise. „Wurm ist eine kleine Beamtenseele, in allen Welten zu Hause, aber nirgendwo beliebt“, erläutert Jasper Brandis.

Den gesellschaftlichen Standesunterschied will er vor allem an den Vätern festmachen. Präsident von Walter (Thomas Birklein) ist neureich, hat geringe moralische Ansprüche und große Macht über seinen Sohn: „Ferdinand will sich von ihm absetzen. Aber er ist naiv und ein Heißsporn“, beschreibt Brandis. Luise wiederum sei von ihrem kleinbürgerlichen, religiösen Elternhaus geprägt: „Sie hat eine große Ausstrahlung, ist aber von einer Todessehnsucht getrieben.“

Zu den weiteren Mitwirkenden zählen Thomas Lichtenstein, Eva-Maria Pichler, Juliana Djulgerova, Caroline Nagel und Klaas Schramm.

 @ Alle Kritiken finden Sie unter

http://www.NWZonline.de/theater

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